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Berge verbreiteten Kirchentags-Feeling

Im Glücksrausch Berge verbreiteten Kirchentags-Feeling

Bevor die Berge im Mai mit großer Band auf Tour gehen, präsentierte sich das Berliner Duo am Donnerstag noch einmal allein zu zweit im Kieler Studio-Kino - und sorgte dabei seinem Wohlfühl-Pop für Kirchentags-Feeling.

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Berge im Studio Filmtheater.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Die Zeiten, in denen klein und groß im Musikgeschäft klar unterscheidbar waren, sind lange vorbei. Mit einem Major-Vertrag bei Sony sowie mehr als einer Millionen Youtube- und Spotify-Klicks für ihren Tierschutz-Song 10 000 Tränen könnte man das Berliner Duo Berge heute als aufgehenden Stern bezeichnen. Wenn aber Marianne Neumann und Rocco Horn im sehr gut besuchten Studio-Kino am Donnerstag den Kauf ihrer aktuellen Columbia-CD Vor uns die Sintflut nicht zuletzt deshalb empfehlen, damit sie weiter auf die Musik setzen und auch mal wieder nach Kiel kommen können, spricht das für sich.

Bevor die beiden im Mai mit großer Band auf Tour gehen, präsentieren sie sich an diesem Abend noch einmal allein zu zweit im heimeligen Unplugged-Rahmen der Konzertreihe „Herz & Kopf“. Dieser passt optimal zu ihrem grundoptimistischen Singer-Songwriter-Pop, der ebenso wie das Musiker-Paar selbst von seiner Nähe zum Empfänger lebt. Durch den ungewohnten Bühnenort fühle er sich im Kino erstmals wie der Leinwandheld, scherzt Rocko zur Eröffnung des Gigs. Wollte man Berge einem Filmgenre zuordnen, wäre das Feelgood-Movie eindeutig die richtige Kategorie. Schon beim Opener Ich bin hier wird einem unweigerlich warm ums Herz, bereits beim zweiten Song lädt Marianne das Publikum erfolgreich dazu ein, mitzusingen. Atmosphärisch bewegt sich der Auftritt rasch zwischen Wohnzimmer-Konzert und Kirchentags-Gig. Und als die Sängerin ihre empathischen Zuhörer wenig später bittet, sich an den Händen zu fassen, leisten diese dem Wunsch umgehend Folge.

Textlich geht es vor allem um Phänomene wie Freude, Liebe, Mut und Aufrichtigkeit, stimmig verpackt in hübschen Akustik-Pop mit Nähe zur Straßenmusik. Für alternative Klangfarben sorgen im Laufe der zwei Sets beispielsweise ein durch einen Sri-Lanka-Aufenthalt inspirierter Mantra-Song, bei dem das Duo ein bisschen wirkt wie das Update von Deva Premal und Miten. Und natürlich ertönt  irgendwann auch der Peta-Hit 10 000 Tränen, zu dem einem die Bifi im Halse stecken bleibt. Dass sich Rocko bei den Konzertansagen als unermüdliche Quasselstrippe präsentiert, hat ihm sogar Marianne schon rückgemeldet – ohne Erfolg. Dafür darf sie sich selbst ja am Mikrofon ausleben, reiht im bunten Finale euphorisch die Berge-Hits Wir sind frei, Meer aus Farben und Glück aneinander. Da kann einem vor lauter positiven Vibes fast blümerant werden. Nicht auszuschließen, dass der Arzt die Diagnose „Glücksrausch“ stellen würde.

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