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Hintersinnige Spielernatur

Bernhard Schwichtenberg Hintersinnige Spielernatur

2015 machte eine Erkrankung der geplanten Ausstellung anlässlich des Landesschaukunstpreises 2014 einen Strich durch die Rechnung. Jetzt ist Bernhard Schwichtenberg gesundheitlich wieder an Deck und präsentiert unter dem Titel Kleiner Querschnitt im Brunswiker Pavillon einen Rückblick auf sein Schaffen.

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Bernhard Schwichtenberg bei seiner Ausstellung im Brunswiker Pavillion.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Mit Rückblicken kennt der Kieler Kulturpreisträger von 2012 sich aus, in Gelsenkirchen und Bayreuth füllte er damit 2009 „große Parcours“. Der Pavillon ist vergleichsweise klein, doch im „Schaufenster“ des Landesverbandes Bildender Künstler Schleswig-Holstein (BBK-SH) auszustellen, ist ein bisschen wie nach Hause kommen für den Mann, der die bunte Ballonmütze zu seinem Markenzeichen machte. Seit 1970 ist er BBK-Mitglied, 1993-2005 war er Vorsitzender des Verbandes. Nach Gruppen geordnet sind im Rundgang seine raffinierten Plattitüden und Blindprägungen, die multimediale „Schrottkarre“ aus der Landesschau 2014 behauptet sich prominent im Eingangsbereich. Fotografien zu leider zerstörten Lichtobjekten aus dem öffentlichen Raum in Kiel gibt es auch und natürlich Arbeiten zu seinen Herzensthemen Krieg und Frieden, Armut und Überfluss. Da drängen sich Friedenstauben in übereinander gestapelten Käfigen, woanders drehen sie über Hinweistafeln zu aktuellen Kriegen mit schwarz verbundenen Augen ihre Kreise. Das Kabelwirrwar am Boden ist zwingender Bestandteil dieser kinetischen Arbeit – als Verweis auf die Schwierigkeit, kriegerische Auseinandersetzungen zu lösen.

 Das Tüfteln und Basteln wurde Schwichtenberg quasi in die Wiege gelegt. 1938 in Berlin geboren und während des Krieges nach Kiel verzogen, war er schon als Kind fasziniert von der Geschicklichkeit des Vaters, der nach 1945 Radios zusammenlötete – aus metallenen Fundstücken, die seine Söhne auf den Straßen der zerstörten Stadt zusammenklaubten. 1946 zog die Familie nach Köln, wo ein Stabil-Baukasten und eine elektrischen Eisenbahn Talent und Kreativität des jugendlichen Modellbauers befeuerten. Während seines Grafik-Studiums an der Muthesius-Werkkunstschule in Kiel (1959-64) verfeinerte der Meisterschüler von Hermann Bentele seine Kunst. „Der homo ludens“ wollte mehr“, so der Künstler, der seine dreidimensionalen Objekte fortan durch das Moment der Bewegung bereicherte.

 An seinen kinetischen Arbeiten hat er bis heute große Freude. Insgesamt neun „Taster, mit denen man einzelne Geräte anschmeißen kann“, hat er im Pavillon untergebracht. Darunter ein wuscheliges Etwas in einem Terrarium, das wie von Geisterhand gesteuert durch feinkörnigen Sand zuckelt. „Das ist die fehlgeschlagene Züchtung einer Eierlegenden Wollmilchsau“ sagt Schwichtenberg schmunzelnd und freut sich, dass von den Umstehenden keiner auf Anhieb den antreibenden Mechanismus errät. Die Erläuterungen schickt er nach, schildert kurz darauf angesichts der Lichtobjekte im Dunkelraum die Hürden im Umgang mit Neon- und Glasfasertechnik und ergötzt sich daran, wie sein jüngstes, auf bewegten farbigen Kugeln basierendes Werk im Sonnenlicht glänzt.

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