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Gottorfer Wundertüte

Neue Ausstellung in der Reithalle Gottorfer Wundertüte

Schloss Gottorf zeigt in seiner neuen Sonderausstellung eine Auswahl jener Werke, die durch den Freundeskreis erworben wurden.

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Hanne Nagel-Axelsen setzt Farbakzente neben HAP Grieshabers düsterem Linolschnittzyklus. Direktorin Kirsten Baumann mit Kurator Christian Walda.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Schleswig. Schleswig. In der ersten Sonderausstellung des Jahres überrascht Schloss Gottorf mit einem ungewöhnlichen Mix aus Epochen und Kunstgattungen. Vom Gemälde der Romantik bis zur objekthaften Keramik der Gegenwart sind in der Reithalle Exponate versammelt, deren gewagte Zusammenstellung ihrer Quelle geschuldet ist. Unter dem Titel Beste Freunde – Kunstwerke für Schloss Gottorf präsentiert das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte erstmals eine Auswahl jener Werke, die vom Freundeskreis Schloss Gottorf e.V. erworben wurden und dem Haus als Dauerleihgaben zur Verfügung stehen.

 „Beste Freunde braucht man nicht nur im Privaten, sie sind auch für eine Kulturinstitution von großer Bedeutung“, weiß Kirsten Baumann. Der Direktorin ist die Schau, die von einem lesenswerten, weil mit Texten norddeutscher Schriftsteller angereicherten Katalog begleitet wird, eine Herzensangelegenheit. Weil die Erwerbungen ähnlich heterogen sind, wie der Kunstmarkt und der Geschmack der wechselnden Direktoren, ist die Hommage an die Freunde eine Art Wundertüte. „Die Ausstellung versucht einen Spagat zwischen der Bandbreite der Sammlung und deren Glanzlichtern hinzubekommen“, so Baumann. Nur so sei die Vielzahl der gezeigten Gemälde zu erklären, die tatsächlich nur etwa zehn Prozent der Sammlung ausmachen, darunter religiöse Motive von Lucas Cranach, Landschaften von Louis Gurlitt sowie Bilder von Harald Duwe, Eberhard Göttlicher und Klaus Fußmann. Die Grafiken, die mit 70 Prozent den Großteil des Konvoluts ausmachen, sind in eher bescheidenem Umfang auf der Empore zusammengefasst. In Vitrinen darunter präsentieren sich Kunsthandwerk und Keramik im Wandel der Zeit.

 Die Kuratoren Christian Walda und Thomas Gädeke haben die rund 200 Exponate nach kulturhistorischen Gesichtspunkten, Epochen und Gattungen geordnet. Viele von ihnen wurden lange nicht gezeigt und so wird der Rundgang zur Entdeckungsreise. Die Urlandschaft von Alfred Mahlau und Hildegard Osten etwa, ein großformatiger Wandteppich aus dem Jahr 1940, hatte zuvor lange im Magazin geschlummert und musste aufwändig restauriert werden. Ähnlich wie das Familienporträt von Else Wax-Cleemann (1931), das die Schau als lupenreiner Vertreter der Neuen Sachlichkeit bereichert.

 Aufgrund der Lichtverhältnisse reichlich düster präsentiert sich eine 36-teilige Arbeit von HAP Grieshaber. Die Pastellzeichnungen auf Papier, die eine halbe Wand der Reithalle einnehmen, sind Entwürfe für einen Linolschnitt-Zyklus, der in kürzelhaften Bildern die biblische Geschichte von Joseph und seinen Brüdern nachzeichnet. Zur Linken flankiert wird die gewaltige Bildergeschichte von Werken der Norddeutschen Realisten und einer fantastisch-frechen Arbeit von Hanne Nagel-Axelsen, die einen leuchtenden Farbakzent setzt.

 Den Freundeskreis Schloss Gottorf gibt es seit 67 Jahren. „Eigentlich hätte man vor zwei Jahren mit einer Ausstellung feiern müssen, doch damals wäre das nicht so einfach gewesen“, erinnert sich die Vereinsvorsitzende Gabriele Wachholtz. Eine Digitalisierung der Museumsbestände, deren Finanzierung der Verein mit einer namhaften Summe unterstützte, machte es möglich: Unter anderem wurde eine Liste mit den Erwerbungen des Freundeskreises erstellt. „Diese Leistungsbilanz nach Außen zu tragen, ist uns wichtig“, so Wachholtz „Nicht zuletzt, um neue Mitglieder anzuwerben, die dabei helfen, den Betrag hoch zu halten, der dem Museum jährlich zukommt.“

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