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Ist wirklich passiert...

Bastian Bielendorfer im Kulturforum Ist wirklich passiert...

Hoffentlich hat Vater Bielendorfer so viel Humor wie sein Sohn Bastian. Ach, wird er schon, sonst säße er auf der Tour wahrscheinlich ständig im Publikum und würde dem Komiker auf die Finger oder doch eher aufs Mundwerk schauen. Wie jene Figur, als die ihn der 31-jährige Lehrersohn und Bestsellerautor in seinem ersten Solo-Programm Das Leben ist kein Pausenhof darstellt – so anscheinend allwissend wie besserwisserisch, pedantisch, aber auch mit einem lakonischen, staubtrockenen Humor gesegnet.

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Mit jungenhaft lockerem Charme ganz lässig auf der Bühne im Kulturforum: Bastian Bielendorfer.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. „Ist wirklich passiert!“, streut Bielendorfer immer wieder ein, wenn er mit unwiderstehlich jungenhaft lockerem Charme zu einer dieser nicht selten hanebüchenen, meist insbesondere für ihn peinlich verlaufenden Geschichten ausholt, dabei lässig über die Bühne im knackvollen Kulturforum tigert und mit der Hand seine modische Beanie-Mütze hin und her schubbert. Mag es anfangs noch eine Rolle spielen, was hier nun wirklich wahr oder was einfach nur gut erfunden ist, erscheint es zunehmend müßig. Einfach bespaßen lassen und sich scheckig lachen.

 Bielendorfer spannt in dieser Mischung aus Comedy und Lesung den ganz großen autobiografischen Bogen seines Lebens als Kind eines Lehrerehepaars. Von der ersten gescheiterten Liebschaft des dicken „Pommes-Bombers“ Sebastian in der Grundschule, weil sein Vater das Poesiealbum der Angebeteten korrigiert und mit „4-“ bewertet hat. Vom damals einzigen Feund, einem afrikanischen Brieffreund, dem er Briefe mit Geld darin geschickt habe, der aber bald nur noch um das Geld gebeten habe. Vom Horror der Bundesjugendspiele („Übertritt beim Weitsprung durch Nasenbeinbruch auf der Absprunglinie“) und des schulischen Schwimmunterrichts (die Schwimmlehrerin eine Art „Chuck Norris mit Titten“), von desaströsen familiären Camping- und anderen Urlauben. Auch Bielendorfers Auftritt bei der TV-Sendung „Wer wird Millionär?“ mit seinem Vater als Telefonjoker, Startschuss seiner kometenhaften Schriftstellerkarriere, wird noch einmal detailliert und saukomisch erzählt und selbst seine Hochzeit im vergangenen Jahr inklusive Vaters komplett vermurkster Rede nicht ausgespart. Die Leseparts drehen sich um Besuche des „zehnjährigen Waldorf-Terroristen“ Ludger („wie kann man sein Kind nur Ludger nennen?“), neunmalkluger Sohn seiner Cousine, dessen Beaufsichtigung für Bielendorfer und seine Frau eine einzige Tortur ist, für Außenstehende ein reiner Quell großen Vergnügens.

 Bielendorfer meistert seine letzte Show der Tour souverän und locker und unterhält das Publikum – darunter sicher nicht wenige Lehrer, aber ausschließlich mitfühlende Ex-Schüler – vortrefflich und mit hoher Gagdichte. Spontane Interaktionen klappen hier wie geschmiert, erst recht dann, wenn einer in der ersten Reihe, der eigentlich Sören heißt, sich als Ludger ausgibt und damit nicht nur etliche in ausuferndes, brüllendes Gelächter ausbrechen lässt, sondern auch Bielendorfer schmunzelnd fast sprachlos macht. „Ihr denkt jetzt gleich Arschkriecher“, lobt der Komiker, bevor er sich nach zwei Stunden Programm, nach Zugabe und donnerndem Beifall dankend verbeugt, „aber ihr seid das geilste Publikum auf der Tour.“

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