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Betreiber geben den Club „Weltruf“ auf

Kiel Betreiber geben den Club „Weltruf“ auf

Im Mai das Exlex, am 1. August folgt der Weltruf. Jens Lause und sein Geschäftspartner und Freund Igor Hinnekeuser verlassen die Lange Reihe, die sie seit 1999 mit Café und Club geprägt haben. Für den 47-jährigen Betreiber eine klare, aber keinesfalls einfache Entscheidung.

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Wehmütig, aber entschieden: Jens Lause auf seinem letzten Törn durch die Lange Reihe.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Draußen kreischt die Sonne, hier drinnen summen leise die Scheinwerfer durchs Dunkel. Die letzte Party geistert noch müde als schemenhafte Erinnerung durch den schlafenden Weltruf. Jens sitzt entspannt in einem der Rettungsboote über der Tanzfläche. Hier hat der gebürtige Luxemburger zahllose Partys gefeiert, grandiose Konzerte veranstaltet und Freunde fürs Leben gefunden und zusammengeführt. Nach zehn Jahren verlässt der Kapitän überraschend die Brücke, um sich ganz auf seine Arbeit im Café „Der alte Mann“ am Schifffahrtsmuseum konzentrieren zu können. Mit dem langjährigen Schichtleiter Jörn Dietz ist der Nachfolger bereits gefunden. Ab Mitte September wird er den Club unter neuem Namen fortführen. Große Teile der Crew wird er übernehmen und den Geist des Clubs für die nächsten Partygenerationen am Leben halten. Einzelheiten sind allerdings noch nicht druckreif.

Aber was genau ist eigentlich dieser Geist? „Wir wollten von Anfang an ein sehr moderner Club sein, der ein Stück Hamburg nach Kiel bringt“, erinnert sich Jens. Zunächst noch als Indie-Club verschrien, kultivierte der Weltruf schnell eine ästhetisch feinsinnige und massengeschmäcklerisch unverdächtige Stilvielfalt. Auf wegweisenden und ausgewiesenen Lieblingspartyreihen wie All Styles oder Time Tunnel stand Jens selbst an den Plattentellern. „Wenn ich bei voller Lautstärke einen Song gespielt habe, der mich gepackt und geschüttelt hat und die Leute ihn auch noch mit mir gefeiert haben, ohne ihn zu kennen: das war das Allergrößte!“

Und die Highlights unter den Konzerten, die er im Weltruf in den ersten fünf Jahren noch veranstaltet hat? „Die Menschen hinter den Künstlern kennengelernt zu haben“, antwortet Jens in der Manier eines weisen Kapitäns. Und dann fallen Namen wie Paul Armfield, mit dem er sich bis spät in die Nacht gegenseitig Lieder auf der Gitarre vorgespielt hat, Horse Feathers, die extra für ihn zwei Deutschlandkonzerte in ihre Tour einbauten, Sophia – Robin Proper-Sheppard, der betrunken auf dem Skateboard durch den Weltruf eierte, William Fitzsimmons, der seine Song vom Schiffsbug herunterspielte oder Frittenbude, die „mit ihrer Energie den halben Club niedergerissen haben.“

Hand aufs Herz: so ein Abschied fällt doch schwer? „Der Club ist jung geblieben, ich bin älter und die Brücke zur aktuellen Partygeneration ist länger geworden. Ich habe meine Seemannkiste voller guter Erinnerungen. Irgendwann muss man einfach loslassen. Und das fällt leichter, wenn man weiß, dass der Laden weiterleben wird.“ So muss es dann wohl sein. Ahoi, Jens, und danke für die Jahre.

Service:

Die letzte Party im Weltruf ist am Freitag, 31.07.2015, ab 23 Uhr. Weitere Infos hier.

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