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Wechselspiele in der Galerie Brennwald

Bettina Steinborn und Traute Carstens Wechselspiele in der Galerie Brennwald

Ahnungsvoll verrätselte, freie Bildkompositionen treffen auf höchst klare, figürliche Skulpturen in der aktuellen Doppelausstellung Wechselspiel, die Ute Brennwald in ihrer Galerie in der Feldstraße eingerichtet hat. Die Arbeiten der beiden Künstlerinnen, die sich erst einen Tag vor der Vernissage kennen gelernt haben, könnten zwar unterschiedlicher kaum sein, harmonieren aber bestens miteinander.

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Bettina Steinborn und Traute Carstens zeigen ihre Arbeiten in der Feldstraße.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Die Bronzeskulpturen von Bettina Steinborn sind schlichtweg eine Wucht. Auf schlanken Stelen in Augenhöhe zum Betrachter platziert, stehen kauzige Gestalten mit ausdrucksvoller Körperhaltung. Da bringt ein neugieriger Lauscher sich in gefährliche Schieflage, woanders stehen zwei korpulente Damen einander Bauch an Bauch gegenüber und lassen an einen Cartoon von Loriot denken. „Ich habe die Frauen so in einem Garten gesehen“, erzählt die Künstlerin aus Oranienburg, die ihre genaue Kenntnis der menschlichen Anatomie einer Ausbildung als Röntgenassistentin verdankt. Ihre wunderbaren Figurenstudien, für die sie 2011 den Brandenburgischen Kunstpreis bekam, entstehen nach Skizzen, die sie zunächst in Ton umsetzt „Ich arbeite nicht mit Fotos, denn ich will die Natur ja nicht nachmachen“, sagt Steinborn. Ihr geht es um die Körperhaltung, nicht um Ähnlichkeiten mit realen Vorbildern. „Vieles habe ich wirklich gesehen, manches ist aber auch pure Fantasie.“

 Wiedererkennbares sucht man in den Gemälden von Traute Carstens vergebens. In ihren großformatigen Bildern und Collagen hat sie sich der freien Abstraktion verschrieben. „Ich versuche, das Ursprüngliche aus der Erinnerung herauszuholen“, erzählt die Kielerin, die als treue Schülerin von Deborah Di Meglio seit den 80er Jahren künstlerisch aktiv ist. Oft verschwinden Texte von Hesse oder Rilke in einer ersten Schicht unter ihren Bildern, die sich durch das Auftragen meist heller, lichter Farben zu inneren Landschaften formieren. So sehr sie sich bei ihrer Malerei von ihrer Intuition treiben lässt, so verblüffend treffsicher sind ihre figürlichen Arbeiten – gezeichnet aus der Erinnerung mit geschlossenen Augen. Paare sieht man da und Einzelpersonen, deren Mimik eine seltsame Intensität ausstrahlt. Doch warum zeichnet sie blind? „Die Figuren geraten auf diese Weise authentischer und haben mehr Aussagekraft“, sagt Traute Carstens. Damit könnte sie Recht haben. sth

  Feldstraße 133 (2. Stock). Bis 14. Oktober. Mi-Fr 10 -13 Uhr, 16-19 Uhr und während der Kieler Ateliertage am 8. + 9. Oktober 10 -17 Uhr

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