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Bildhauerin Karin Hertz gestorben

Nachruf Bildhauerin Karin Hertz gestorben

Die Bildhauerin Karin Hertz ist tot. Wie ihr Sohn Wolf Morrison mitteilte, verstarb die Künstlerin am 10. August kurz nach ihrem 96. Geburtstag in ihrem Haus in Hamburg-Volksdorf, wo sie trotz Einschränkungen auch bis zuletzt noch in ihrem Atelier gearbeitet hatte.

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Hinterließ zahlreiche Werke in Kiel und Umgebung: Bildhauerin Karin Hertz.

Quelle: jens Rönnau

Hamburg. Karin Hertz wurde 1921 als Tochter des Kaufmanns Oskar Hertz in Hamburg geboren, hat mit dem Physiker Heinrich Hertz und dem Planer des Nord-Ostsee-Kanals Hermann Dahlström prominente Verwandte. Ab 1929 ging sie in Kiel zur Schule. In München studierte sie zunächst im privaten Atelier der Bildhauerin Maria Weber, 1940 bis 1944 an der Münchner Akademie bei Richard Knecht. Dieser, wegen enger Verbindungen zum NS-Regime nicht unumstrittene Künstler, hatte sich erfolgreich an höchster Stelle gegen eine Verfolgung seiner Meisterschülerin eingesetzt, die jüdische Wurzeln hat.

Werke von Karin Hertz finden sich heute in zahlreichen Privatsammlungen und im öffentlichen Raum – vor allem in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Neben ihrem Atelier in Hamburg betrieb sie bis 1998 ein Atelier in Möltenort, wo sich unweit am Heikendorfer Strand seit 1971 ihre Bronzefigur eines Anglers befindet – dem seine Angel entwendet wurde. In Kiel begegnet man ihren Figuren vor der Kinderklinik am Schwanenweg ( Der erste Schritt, 1975), in Elmschenhagen sitzt in einer Wohnsiedlung ihre Lesende (1982), vor der Ellerbeker Schule am Klausdorfer Weg spitzt ihr Wächter-Hund die Ohren (1964). Ihre erste große Kieler Arbeit konnte Karin Hertz 1960 für die neu erbaute Theodor-Möller-Schule in Elmschenhagen realisieren: die Figur eines Hockenden Knaben, für den ihr damals 15-jähriger Sohn Modell saß. Dargestellt ist ein sinnender, in sich ruhender Mensch. Ursprünglich war die Bronze am Rande eines Brunnens aufgestellt, hatte die Künstlerin später erklärt: „Das war schön: Es war ein kleines Becken und er saß als Tropfen daneben. Mit seiner geschlossenen Haltung ist er ganz bei sich. Da ist nichts, was nach außen zeigt – fast wie eine Kugel.“

Diese reduzierte realistische Form ist ihr künstlerisches Programm geblieben, sei es bei ihren oft dargestellten jungen Sportlerfiguren, wie vor den Schulen in Raisdorf-Schwentinental und in Reinbek oder bei ihrer launigen Doppelplastik Familienbild mit Fotograf von 1987 vor dem Kronshagener Bürgerhaus.

Eng verbunden war Karin Hertz durch ihre Kunst und langjährige Freundschaften mit dem Heikendorfer Künstlermuseum, dem sie mehrere ihrer Werke gestiftet hatte.

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