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Der Autor als Jedermann

Birgit Dankert und ihre Michael-Ende-Biografie Der Autor als Jedermann

Er schuf einzigartige Figuren wie Jim Knopf, Momo oder Bastian Balthasar Bux, seine fantastischen Märchen machten nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Kinderliteratur im Ausland wieder hoffähig. Michael Ende (1929-1995) wurde einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit.

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Birgit Dankert hat sich intensiv mit Michael Ende, dem Schöpfer auch von Jim Knopf, beschäfigt.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Doch er wollte mehr sein als ein Geschichtenerzähler für Kinder. Interessiert an Poetik und Theatertheorie sah er sich immer auch als Dramatiker und schrieb surrealistische Erzählungen für Erwachsene. Hier jedoch blieb der Erfolg ihm versagt. Birgit Dankert, Literaturwissenschaftlerin und Kinderbuchexpertin, ist dem Phänomen Michael Ende auf den Grund gegangen. Sie hat sich durch umfangreiches Archivmaterial gewühlt, neben sämtlichen Geschichten des Autors auch alle greifbaren Sekundärtexte gelesen und mit Weggefährten gesprochen. Innerhalb von nur acht Monaten entstand ein einfühlsames Porträt voller Überraschungen. „Michael Ende. Gefangen in Phantásien“ lautet der beziehungsreiche Titel ihrer Biografie, denn Ende steckte mit seinem Erfolg im Kinderbuchsektor quasi in der Falle.

 Weil er seine Miete nicht mehr zahlen konnte, schrieb er mit 27 Jim Knopf, hangelte sich von einem Einfall zum anderen und entdeckte das Schreiben für sich als Abenteuer. Zwölf Verlage lehnten das Manuskript ab, der kleine Stuttgarter Thienemann-Verlag griff zu. Ende erhielt den Deutschen Jugendliteraturpreis und wurde finanziell unabhängig. Ein Kinderbuchautor war geboren, der eigentlich keiner sein wollte. „Durch die Arbeit an der Biografie habe ich erst begriffen, dass man ihm Unrecht tut, wenn man ihn nur als Kinder- und Jugendbuchautor sieht", erzählt Birgit Dankert im Literaturhaus und verweist auf den belesenen Literaten, der sich in seinen Motiven unter anderem im Zen-Buddhismus und bei Shakespeare bediente. „Er war ein Künstler und ein Womanizer, jemand, der unendlich viel konnte und wusste.“

 Und er war ständig auf der Suche nach seiner Identität als Mensch und als Künstler. „Ein Jugendfreund bezeichnete ihn einmal als Jedermann. Aufgrund seines Wissens konnte er sich in alle möglichen Rollen einfinden. Aber wer war er wirklich?“ Der Eskapismus-Vorwurf, den einige Kritiker seinen Heile-Welt-Geschichten machten, traf Michael Ende genauso hart, wie das Desinteresse, das Marcel Reich-Ranicki seinen Erzählungen für Erwachsene entgegenbrachte. 1970 zog er nach Italien, hielt Vorträge und führte Gespräche mit SPD-Politiker Erhard Eppler – unter anderem über die Bedeutung der Grauen Herren für Momo. „Er war der einzige Kinder- und Jugendbuchautor mit Verbindung zur Politik“, so Dankert. Dass er auch ein Lebenskünstler mit wechselnden Liebesverhältnissen war, „ der die Nächte durchsoff“, verschweigt Birgit Dankert nicht. „Man muss das alles wissen“, sagt sie. „dann kann man seine Texte besser verstehen.“

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