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Boas bizarre Songwelten

„Bleach House“ in die Pumpe Boas bizarre Songwelten

Phillip Boa gilt seit den 90er Jahren als „Pop-Partisan“. Ein Label, das nicht er, sondern die Presse erfunden hat, mit dem er sich aber anfreunden kann, wenn er mit dem aktuellen Album „Bleach House“ in die Pumpe kommt.

Die Kieler Nachrichten sprachen mit ihm über seine „bizarren Song-Welten“ im Zeitalter der digitalen Revolution.

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Punk-Romantiker seit den Neunzigern: Phillip Boa entwirft seine „heiteren Apokalypsen“.

Quelle: Ole Bredenfoerder

Kiel. Du hältst dich immer etwas bedeckt, wenn man dich nach der Bedeutung deiner Songs fragt. Ist das auch bei deinem neuen Album „Bleach House“ so?

Es ist schwierig und unter Songwritern geradezu „verboten“, Song-Inhalte genau zu erklären – einfach um Interpretationsspielräume zu lassen und das Geheimnis der Songs zu bewahren. Nur eine – von mir sehr geschätzte – Minderheit befasst sich intensiv mit meinen Texten.

Songs wie „Kill The Future“ scheinen dennoch recht programmatisch, gerade wenn man dabei die alte Punk-Parole „No Future!“ assoziiert. Welche Zukunft besingst du darin?

Ich wurde sehr inspiriert von den Diskussionen über die neue digitale Welt, in der der Rechner den Menschen irgendwann beherrschen wird. Vor einer solchen Zukunft, in der man nur noch eine Marionette des Rechners ist, muss man warnen. Punk war die erste Generation, die mit dem Schlagwort „No Future!“ eine solche nicht schöne neue Welt hinterfragt hat. Das hört man auch in dem Song, der mit Punk und dieser Geste „Lasst euch nicht alles gefallen!“ spielt.

Dennoch bist du ja kein klassischer Singer/Songwriter und benutzt selbst elektronische Mittel wie Samples. Ist das nicht ein Widerspruch?

Nein, ich benutze diese digitalen Sounds, aber ich werde von ihnen nicht benutzt. Das Problem ist ein anderes: Schon seit 30 Jahren ist in der Popmusik nichts Neues mehr erfunden worden – die Beatles haben mit ihrem letzten Album fast schon alles erzählt. Vergangenheit und Zukunft sind insofern irrelevant, denn ich spiele mit „Instrumenten“, die mir das Studio anbietet. Genauso sollte die digitale Zukunft sein, dass sie mir neue Möglichkeiten bietet, aber mich nicht kontrolliert.

Also eine Art Dystopie, aus der du doch utopische Elemente gewinnst?

 Ich würde es vielleicht „heitere Apokalypsen“ nennen. Heiter in dem Sinne, dass auch bei melancholischen Songs der Refrain die Hoffnung ist, dass es nach wie vor das Schöne gibt. Insofern liegt tatsächlich eine Utopie in der Apokalypse – auch wieder „punkisch“ gedacht.

Und insofern auch eine Entwicklung von den früheren zum aktuellen Album, obwohl es im Pop, wie du sagst, nichts Neues mehr gibt?

 Die Frage ist wirklich gut (lacht). Ich hab’ einen Haufen loyaler Fans. Die füllen zwar keine Stadien, aber ich versuche, ihnen etwas mitzugeben, bizarre Welten, zu denen sie selbst normalerweise keinen Zugang haben. Das ohne „Lehrauftrag“.

Ist das auch ein bisschen wie Resümee – ich sag’ jetzt mal nicht „Alterswerk“ oder „abgeklärt“?

Das habe ich ja schon in den 90ern vorgelegt (lacht). „Abgeklärt“ insofern, als ich inzwischen weiß, wie’s geht. Ich spiele mit der Musik – und das wirkt womöglich routiniert. Ich hab’ über die 30 Jahre eine Masse aufgesaugt, klar, aber ich versuche den Eindruck „Alterswerk“ zu vermeiden, zumal ich mich überhaupt nicht alt fühle und immer noch – und immer wieder – voller Energie bin.

Und voller Romantik ...?

 Absolut, ich bin Romantiker! Romantik ist für mich kein negativer Begriff. Auf ihre verwirrte Art sind Songs wie „In My Diary“ oder „Chronicles Of The Heartbroken“ tief romantisch – und dazu und dafür stehe ich.

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