19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Voll auf Angriff geblasen

Blechbläserensemble Ludwig Güttler Voll auf Angriff geblasen

Er ist nach wie vor der Trompeten-Riese aus dem Erzgebirge: Ludwig Güttler begeisterte mit seinem 1978 gegründeten und längst komplett durchgetauschten Blechbläserensemble am Dienstag das Publikum in der gut besuchten Kieler Nikolaikirche.

Voriger Artikel
Klare Signale für Konzertsaal-Sanierung
Nächster Artikel
Kulturfestival "arabesques" über Heimat und Exil

Primus inter pares in seinem Blechbläserensemble: Ludwig Güttler.

Quelle: Rs-Foto

Kiel. Kiel. Er ist nach wie vor der Trompeten-Riese aus dem Erzgebirge: Ludwig Güttler begeisterte mit seinem 1978 gegründeten und längst komplett durchgetauschten Blechbläserensemble am Dienstag das Publikum in der gut besuchten Kieler Nikolaikirche. Noch immer haben das Spiel und die Formationskultur des 72-Jährigen etwas von jener überwältigenden Attacke, die ihn einst berühmt machte. Da wurde in Renaissance-Bläsersätzen von Susato, Gabrieli oder Erasmus Widmann nicht lang gefackelt, sondern auf Zug pulsierend Musik gemacht, dass es nur so krachte. Man kann vielleicht noch mehr Feinschliff im kammermusikalischen Miteinander erreichen, noch mehr Lautstärkestufen in der Terrassendynamik von Tomaso Albinonis aparter C-Dur-Sonate für zwei hohe Trompeten, Solowaldhorn und Soloposaune anstreben – alles schmetterte dennoch absolut unwiderstehlich. Herrlich forsch die Allemande aus Johann Hermann Scheins Suite, kontrapunktisch zu komplex und daher in der Hallenkirchenakustik allzu verworren: Güttlers eigene Bearbeitung von Bachs Motette Lobet den Herrn alle Heiden.

 Dass die elf Spieler (mit nur einem Horn zwischen Trompeten, Posaunen und der Tuba) überwiegend aus den Spitzenorchestern der mitteldeutschen Tradition in Dresden, Leipzig oder Chemnitz stammen, durfte man in der spätromantischen b-Moll-Sonate op. 5 des hörbar Tschaikowsky nahe stehenden russischen Cellisten und Tubisten Victor Ewald genießen. Da bekommt der Ensemblesound eine prachtvoll sämige Intensität und rotglühende Farbe.

 Im Zugabenreigen kam man endgültig nicht mehr aus dem Staunen darüber heraus, dass Güttler auch im eigentlich altersfeindlichen „Hochdruck-Geschäft“ der Piccolo-Trompete noch immer zwingende Strahlkraft besitzt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3