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Drunten und droben im Pop-Kanal

Alligatoah im Schloss Drunten und droben im Pop-Kanal

Der „Schauspiel-Rapper“ Alligatoah ging zusammen mit Hammond-Orgel-Spieler Sebel auf seiner „Akkordarbeit 2017“-Tour im ausverkauften Schloss buchstäblich in den Underground. Als Kanalarbeiter im Blaumann präsentieren sich die beiden. Und da fließt wieder jede Menge „Scheiße“.

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Alligatoah nahm sich selbst wie die seltsame Konzertsituation im Schloss beständig auf die Schippe.

Quelle: Björn Schaller

Der erste Eindruck:

Kiel. Darf man es symbolisch sehen, dass das Bühnenbild des Kanal-Untergrunds nur eine halbe Röhre ist? Zum Zuhörerraum öffnet sie sich wie Alligatoahs Songs, die zwar mit dem selbst gefeierten „Fäkalhumor“ spielen, aber gern auch als eingängiger Pop der Mainstream oben über dem Kanal sind.
Das Programm ...

... meistens vom gar nicht mehr so jungen Album „Musik ist keine Lösung“ (2015), das Alligatoah akustisch nochmal durch den Abwasserkanal quirlt. Klingt ein bisschen wie Nachspiel der bereits abgespielten Tour, zu deren ebenso schon Nachklapp Alligatoah vor gut einem Jahr noch die Sparkassenarena füllte. Jetzt Schloss, Plüschsessel. Bewusst wählt Alligatoah diese „Location“. Ein Affront gegen sich und den Ort, der Spaß macht, weil der rappende Singer-Songwriter sich selbst wie die seltsame Konzertsituation beständig auf die Schippe nimmt.
Das Publikum ...

... kann natürlich fast alle Hook-Lines mitsingen, aber scheint von dem für Rap ungewohnten Ort irritiert, kommt daher nur selten aus sich heraus. Dahinten im Dunkel vor der Tür tanzen zwei junge Frauen mit, aber nur so ekstatisch, wie es der „klassische“ Konzertsaal zulässt. Handy-Kerzen dann beim (vor Zugaben) abschließenden „Trauerfeierlied“.
Was in Erinnerung bleibt:

Alligatoah steigt aus dem Kanal an die Oberfläche. Auch droben nur Baustelle – die des Lebens. Er trommelt den Beat auf einer Baustellen-Absperrung in rot-weiß. Das hat was neben aller Selbstironie.
Fazit:

Eigentlich ein gutes Konzept, aus den Hallen akustisch in die Clubs zu gehen. Aber ist das Schloss ein Club? Nö ... Trotz alledem, Sebel an der Hammond ist ein Derwisch, und Alligatoahs Songs werden ein bisschen weniger Rap und umso mehr Pop.

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