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Joja Wendt: Der Tasten-Trickser

Blitz-Kritik Joja Wendt: Der Tasten-Trickser

Joja Wendt wanderte schon mehrfach „auf 88 Tasten um die Welt“ und von Klassik bis Jazz. So auch in seinem neuen Programm, mit dessen Tastenakrobatik er im Kieler Schloss das Publikum nicht nur zu stehenden Ovationen, sondern auch zum Mitmachen anregte.

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Joja Wendt im Kieler Schloss - machte Spaß und begeisterte.

Quelle: Björn Schaller

Der erste Eindruck

Tagesschau-Sprecher Jan Hofer lässt im Video nach Joja Wendt suchen. Der Gesuchte sei „manchmal etwas vorlaut“, falle „durch viel zu schnelles Spiel auf“ und sei – Vorsicht! – „unberechenbar“. Recht hat die Tagesschau, denn schon im ersten Stück „Panta Rhei“ fließen, perlen und rauschen die Skalen so flink von Jojas Fingern, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Das Programm ...

... ist voll von solchen Tasten-Tricks. Die HD-Kamera, die Wendts Fingerspiel auf die Leinwand projiziert, kommt spätestens bei Rimski-Korsakows „Hummelflug“ nicht mehr mit. Ebenso im „Sommer“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“: Dass er ein ganzes Streichorchester mit zehn Fingern auf die Tasten bringen kann, hat Wendt gewettet. Wette gewonnen! Auch die vierhändige Klavierfassung von Albeniz’ „Asturias“ bewältigt er locker mit nur zwei. In die Klassik, etwa Rachmaninows cis-moll-Prélude, mixt er seine Boogies und beschleunigt sie damit umso mehr. Hinzu kommen eigene Werke wie „Saima“, das mit elf Achteln auf einen Vierertakt etwas überkandidelt wirkt, was dem Unterhaltungswert jedoch keinen Abbruch tut.

Das Publikum ...

... spendet Szenenapplaus und stehende Ovationen. Und wird beteiligt. Daniel (8) assistiert kongenial in der kleinen Horrorshow des „Geisterhauses“ am Mini-Flügel versus dem großen, der mit der eingebauten Hydraulik gespenstisch tanzt. Ursel bedient die Klingel im „Typewriter“, beim „Regen-Song“ sorgt das Publikum mit Schnippen und Schenkelklatschen für Regengeräusche, und in der Zugabe „Moin Moin“ ist es sich mit Joja einig, dass nicht nur er, sondern wir alle im Norden „pures Dynamit“ sind.

Was in Erinnerung bleibt

Joja Wendt über das Klavier: „Es ist ein so intuitives Instrument.“ Was er schon als Kind erfahren hat, als er mit den Geschwistern an den Tasten saß und „Geschichten vertonte“. Geschichten erzählt seine Musik immer noch und wieder, gerade das macht sie so eingängig und beweist, so Joja weiter, „ die Macht der Musik“. Oder – tricky Kalauer – muss es heißen, wie er es hier macht?: „ Der macht die Musik!“

Fazit

Jojas Tasten-Tricksereien wirken zuweilen wie Virtuosentum um seiner selbst Willen. Aber so what? Das ist eine „L’art pour l’art“, die Spaß macht und begeistert – und zeigt, welch’ bewegende Kraft Musik in solch’ akrobatisch trick-reicher (Finger-) Bewegung entwickelt.

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