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Nur die Hassliebe lässt uns leben

Blitz-Kritik Nur die Hassliebe lässt uns leben

Hossa! Hossa! Höchst unterhaltsam führten die stimmlich bestens disponierte Schlager-Ikone Mary Roos und der bisweilen brachial-humorige Duisburger Kabarettist Wolfgang Trepper in „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ durch die Geschichte des deutschen Schlagers.

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Das Programm ist ein Erfolgsmodell, weil das Duo Spannung erzeugt und deshalb harmoniert.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Ein nahezu ausverkauftes Kieler Schloss feierte sowohl die Live-Songs als auch derbe Hasstiraden gleichermaßen.

 Der erste Eindruck

Der deutsche Schlager bleibt herrlich ambivalent. Einerseits kann jeder selbst die furchtbarste Schnulze mitsingen, andererseits auch über die Textanalysen und Beschimpfungen eines Wolfgang Trepper lachen. Das Prinzip die Schöne und das Biest funktioniert, wobei die stilvolle Präsenz von Mary Roos hier keineswegs auf Äußerlichkeiten beschränkt werden soll. Gerade weil ihr Auftritt so gar nichts von einer laut Trepper „alten Schachtel“ („Klatschen Sie, es kann jedes  Mal das letzte Mal sein“) hat, kann sich Trepper auch die derbsten Witze erlauben.

Das Programm

Soloauftritte von Mary Roos mit Live-Band, dazu leichte Kost wie „Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling“, aber auch seriöses Liedgut wie „So leb dein Leben“ (Cover von „My Way“) wechseln mit Soloauftritten von Wolfgang Trepper, der als Chronist durch die (Schlager-) Geschichte reist und nebenbei die Wendlers, Gildos und Brinks verbal zerlegt. Gelegentlich finden sich beide zum Verbalduell am Nierentischchen ein oder Mary Roos plaudert ein wenig aus dem Schlager-Nähkästchen, während Trepper am Jägermeister nippt.

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Das Publikum

Begeisterte Zeitzeugen der vergangenen Jahrzehnte. Die Songs von Mary Roos, darunter ihre Grand Prix d ´Eurovision-Beiträge „Nur die Liebe lässt uns leben“ (1972, Platz 3) und „Aufrecht geh`n“ (1984, Platz 13) werden gefeiert, Treppers harte Seitenhiebe („Die Hose ist so eng am Bein? Das ist nur Wasser“) werden trotz gelegentlichen Räusperns herzlich belacht. Nach der Pause fehlen nur sechs Zuschauer, Trepper hatte auf zehn gewettet. Der Rest bekundete abschließend standing ovations.

Was in Erinnerung bleibt

Die nostalgischen Momente, die kollektive Erinnerung an die „ZDF-Hitparade“; überhaupt an Fernsehen, Radio und Platten als Musik-Bezugsquellen. Eingebettet in den Sanftmut einer Mary Roos und der bissigen ironischen Distanz eines Wolfgang Trepper lässt sich trefflich erinnern.

Fazit

Das Programm ist ein Erfolgsmodell, weil das Duo Spannung erzeugt und deshalb harmoniert. Ein bisschen mehr Hintergrund aus dem Backstage des Schlagerlebens hätte man sich gewünscht, aber zumindest hat man erfahren, wer sich vor Auftritten „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ gewünscht hat: Heino.

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