16 ° / 13 ° Sprühregen

Navigation:
Itchy Poopzkid: Rock 'n' Roll wie er sein soll

Blitz-Kritik Itchy Poopzkid: Rock 'n' Roll wie er sein soll

Triumphale Rückkehr von Itchy Poopzkid in den mit über 400 Fans ausverkauften Orange Club. Zweieinhalb Jahre nachdem die Punk-Rock-Band an gleicher Stelle die Sau rausließ, brachte sie den Laden am Sonnabend mit ungebremster Energie erneut zum Beben.

Voriger Artikel
Der Kultur-Rausch kommt in Fahrt
Nächster Artikel
Erfolgreiche Premiere für "Endstation Sehnsucht"

Triumphale Rückkehr von Itchy Poopzkid in den mit über 400 Fans ausverkauften Orange Club.

Quelle: Björn Schaller

Der erste Eindruck

Kiel. Noch viel länger – nämlich genau sechzehn Jahre – ist es her, dass vier sehr junge, sehr wilde Buben aus Eislingen in Baden-Württemberg eine Schülerband gründeten und zunächst (wie so viele ihresgleichen)  stilistisch auf die eigene Spielstärke herunter gebrochenen Coversongs durch die Mikros prügelten. Irgendwann änderte die Truppe ihren Namen und fing als Itchy Poopzkid an, einigermaßen professionell Platten zu produzieren.  Vergangenes Jahr nun erschien das sechste Album mit dem nahe liegenden Titel Six und einer ebenfalls nahe liegenden Cover-Art mit fünf Strichen plus einem Querstrich. Ok, eine Punk-Rock-Band muss ja auch kein Kunstzirkel sein. Aber die Scheibe schaffte es immerhin auf Anhieb auf Platz 5 der deutschen Album-Charts. Die Platte funktioniert auch gut. Aber beim Punkrock ist es ja nun mal Genre-immanent, dass der eigentliche der Spaß mit dem Life-Gig kommt. Diesbezüglich machte die inzwischen auf ein Trio geschrumpfte Formation bei ihrem Auftritt im Orange Club keine Gefangenen. Vom ersten Power-Riff an gab die Band Volldampf, machte den Saal zur Sauna und gönnte sich und dem begeisterten Publikum kaum eine Verschnaufpause.     

Die Musik

Punk-Rock, Pop-Rock, Hard-Rock, Alternative, egal wie man das Kind nun nennen will. Es ist laut, es spielt gerne auf der Straße, hat schmutzige Klamotten, lässt sich nichts vormachen und macht genau deshalb soviel Spaß. Etwa in der Mitte des Konzerts spielt Itchy Poopzkid die Joey Ramone gewidmete Nummer As Long As I Got Chords und macht mit einer Zeile alles klar: „Such a simple melody means everything to me.“ Und in der Tat folgen die Songs über weite Strecken vorhersehbaren Strukturen, was aber insbesondere dem Live-Erlebnis absolut keinen Abbruch tat.

Das Publikum

Eine überwiegend junge, extrem gut gelaunte, textsichere und im positiven Sinne ausschweifend feiernde Partymeute. Mit großer Freude folgte sie den „Anweisungen“ von Sänger Panzer wirbelte bei It's Tricky enthusiastisch mit durchgeschwitzten T-Shirts, setze sich bei As Long As I Got Chords aber auch auf den Boden, während Panzer in der Mitte musizierte oder lauschte aufmerksam bei  Gotta Get Away, der einzigen Akustik-Nummer des Abends. Doch die pure, wilde ausgelassene Freude am guten, alten Drei-Akkord-Rock überwog deutlich und man meinte, sie bis in die Fingerspitzen der permanent erhobenen Hände zu fühlen.          

Was in Erinnerung bleibt

Ein großartiges Publikum, eine bestens aufgelegte, höchst sympathische Band, und Rock 'n' Roll wie er sein soll, ungezügelt, schnörkellos und voller Kraft. 

Fazit

Man muss den Rock nicht neu erfinden, um mit seiner Magie ein Publikum zu fesseln. Drei Akkorde können unter Umständen eben doch die Welt bedeuten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3