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Tocotronic in der Pumpe: „Let There Be Rock“

Blitz-Kritik Tocotronic in der Pumpe: „Let There Be Rock“

In „einer Handvoll kleiner Clubs“ wollten Tocotronic nach eigener Aussage ihre Tour zum aktuellen „Roten Album“ spielen. Die Ehre fiel auf die Kieler Pumpe, und die war natürlich bis auf den allerletzten Stehplatz ausverkauft. Aber das Hamburger Quartett lieferte einen Gig, der auch jede Halle zum Brodeln gebracht hätte.

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Tocotronic füllte die Pumpe in Kiel bis auf den letzten Platz.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Der erste Eindruck

In ihrer Gründungsphase 1993 galten Tocotronic als das Fundament einer Stilrichtung, die sich mehr oder weniger freiwillig als Hamburger Schule etablierte. Mit von der Partie waren damals Bands wie Blumfeld und Die Sterne.  Feuilletons beschrieben die Musik von Tocotronic nicht zuletzt aufgrund ihrer textlichen Prägnanz gerne als „Diskursrock“ oder Stoff für „Akademiker-Diskos“. 23 Jahre und elf Alben später sind Tocotronic dieser immer schon unpassenden Schublade längst entstiegen, rocken live dafür aber mit derart unverstellter Energie, als hätte Herrmann Hesse einen Superhelden-Comic geschrieben. Es macht einfach Spaß.

Die Musik

Das „Rote Album“ ist nach nach der Platte „K.O.O.K.“ (1999) durchaus ein weiterer stilistischer Neubeginn der Band . In der Tat klingt die Scheibe poppiger, grooviger, vielleicht sogar heller, freundlicher und deutlicher an 80er- Jahre Ikonen wie The Cure, New Order oder The Smiths  angelehnt als die frühen Alben der Hanseaten. Live allerdings präsentierten Tocotronic in der Pumpe einen rapide rockenden, im Punk watenden, extrem griffigen Sound, für die Räumlichkeiten vielleicht zu übersteuert, aber gleichwohl zwingend. Die Zweite Zugabe, der alte Tocotronic-Klassiker Let There Be Rock, darf hier also durchaus als Überschrift für das ganze Konzert verstanden werden.    

Hier sehen Sie Bilder vom Konzert Tocotronic in der Pumpe

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Das Publikum

Der Laden zum Platzen gefüllt, Club-Atmosphäre nicht unbedingt gegeben, dafür aber die Stimmung eines tollen, erdigen Rockkonzertes. Viele Gäste waren wahrscheinlich Fans der ersten Stunde und wollten vor 23 Jahren Teil einer Jugendbewegung sein. Und nun, na ja, um es mit einem Songs aus dem aktuellen Tocotronic-Album zu beschreiben, sind sie, wie die Band selber, jetzt eben Die Erwachsenen.

Was in Erinnerung bleibt

Rock and Roll! Eine Band die sich auf Platte neu erfindet und live noch einmal eine Volte schlägt. Drei-Akkord-Punk-Rock, dessen einziges Manko die unzureichende Akustik im Saal war, sodass die Texte nicht so rüberkamen wie die Riffs, aber möglicherweise war das ja gewollt.  

Fazit

Auch nach über zwei Jahrzehnten sind Tocotronic authentisch und überraschen live mit einem überaus energetischen Auftritt. Wie ihre Fans sind sie erwachsen geworden, an jugendlichem Verve haben sie allerdings nichts verloren.   

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