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Drei mit gleicher Stimme

Blitz-Kritik Drei mit gleicher Stimme

Der zweite Abend des Kunstflecken-Festivals in Neumünster bot mit dem – wenn auch recht kurzen – Konzert des norwegischen Folk-Rock-Trios um den Singer/Songwriter Mikhael Paskalev eine echte Entdeckung.

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Als Sidekicks bleiben Alaska und Van nur selten bloß Background-Vocals. Sie geben gerade in den oft ohrwurmenden Refrains Paskalevs (Mitte) Songs eine ganz eigene Dynamik.

Quelle: Manuel Weber

Der erste Eindruck

Neumünster. Zunächst spielt Mikhael Paskalev solo wie man es von Singer/Songwritern gewohnt ist: ein Mann, eine akustische Gitarre, nichts Weltbewegendes und nichts, was wir nicht schon kennten. Wäre da nicht diese außergewöhnliche Stimme, die sich mit ihrer kraftvollen Präsenz gleich im ersten Song in beachtliche Höhen aufschwingt und somit das schon etwas grau-melierte Genre gehörig aufmischt.

Das Programm

Eigentlich sind bei diesem Konzert Paskalevs Triopartner Jonas Alaska und Billie Van nur Sidekicks, denn es werden ausschließlich Songs aus seiner Feder gespielt. Doch solcher Eindruck täuscht, denn auch als Sidekicks bleiben Alaska und Van nur selten bloß Background-Vocals. Vielmehr geben sie gerade in den oft ohrwurmenden Refrains Paskalevs Songs eine ganz eigene Dynamik. Hier singen drei mit gleicher Stimme in fast chor-artiger Harmonie. Dass sich da drei, die zusammen in Liverpool den Geist der Beatles eingesogen haben, bis in die feinsten Klangnuancen verstehen, ist nicht nur bei Paskalevs Youtube-Hit „I Spy“, den sie erst gegen Ende quasi nachschieben, unmittelbar zu erspüren. 

Das Publikum ...

... in der nur bis zu etwa zwei Dritteln gefüllten Werkhalle gehört zu den älteren Semestern. Und die tanzen nicht, sondern wippen nur mit und lassen sich erst in der Zugabe zum Mitklatschen bewegen. Das muss man aber nicht bejammern. Vielmehr kann man solche Reaktion auch als konzentriertes Zuhören werten, eine Begeisterung, die eher nach Innen ausstrahlt als in rein äußerliches Rock’n’Roll-Gehampel. Vereinzelte Bravos und „Yeah!“s kommen jedenfalls deutlich aus tiefstem Herzen.

Was in Erinnerung bleibt

So sehr Folk-Rock und Singer/Songwriting heutzutage „Common Sense“ sind, aus den norwegischen Weiten weht hier ein ganz neuer Wind herüber, der auch aus den Country-Steppen Tennessees oder aus den Pop-Kellern, wo einst die Beatles reüssierten, kommen könnte. Oder eben direkt aus dem Herzen, das seine eigenen Landschaften hat und über die Zeiten, die immer gleich bewegenden Freuden und Schmerzen.

Fazit

Ein Trio, das einfach Spaß macht mit seinen Songs – gerade weil sie nicht gleich in die Beine und Hände gehen, sondern ins Ohr und Gefühl. Ein bisschen mehr davon als nur rund 70 Minuten hätte man sich gewünscht. Aber die Drei kommen wieder, das versprechen sie.

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