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Hot, voluminös und voller Energie

Blitzkritik Bigband Hot, voluminös und voller Energie

Zwei Bands, zwei Sounds und durchweg großartige Bigband Musik. So könnte man das Doppelkonzert am Dienstag im recht gut besuchten KulturForum am besten beschreiben.

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Die Bigband begeisterte im Kulturforum.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Zwei Bands, zwei Sounds und durchweg großartige Bigband Musik. So könnte man das Doppelkonzert am Dienstag im recht gut besuchten KulturForum am besten beschreiben. Die von Thomas Großmann geleitete Uni-Bigband Flensburg bestritt mit druckvollem Sound, wirkungssicheren Arrangements und mit Saxophonisten Jens Tolksdorf als „Stargast“ den ersten Teil des Abends. Im Anschluss bot dann die Jazzline -Bigband der Rock & Pop Schule Kiel unter der Leitung von Tolksdorf einen einen nicht minder spektakulären Querschnitt ihres Repertoire.

Das Programm

So unterschiedlich die Zusammensetzung der Uni-Bigband-Flensburg, so unterschiedlich war auch ihr Programm. Auf dem standen Glenn Millers' (St. Louis Blues ), Chick Coreas' (Electric City) oder mit Joe Zawinuls' (Mercy, Mercy, Mercy)1960er Jazz-Rock-Fusion-Opulenz reinsten Wassers. Und mit mit Trains von Mike Mainieri donnerte ein großartiges Stück der Band Steps Ahead – eine der bekanntesten Fusion-Formationen der 1980er Jahre – durch den Saal. Die Bläser, Gitarre und Schlagzeug sorgten dabei für ordentlich Rückenwind. Komplettiert wurde diese mit großem Beifall bedachte erste Hälfte des Konzerts durch Interpretationen des tollen Sängers Jens Winkel, der etwa das unvergessliche Straight Nothing Fly Right zu Gehör brachte.
Der Sound von Jazz-Line war geprägt von einem transparenten Klangbild, warm und sehr ausgewogen, ohne es dabei an Glanz und Verve fehlen zu lassen. Esbjörn Svenssons Tide Of Trepidation dagegen überraschte mit kakophonischen Tutti, Lautmalereien und Free-Jazz-Elementen, die aber ebenfalls im ausgewogenen Verhältnis zu den harmonisch leichter zu verdauenden Passagen der Komposition des 2008 mit nur 44 Jahren bei einem Tauchunfall verstorbenen schwedischen Pianisten standen. Hot, voluminös und voller Energie zeigte sich dagegen das Big-Band Arrangement des Jethro Tull Klassikers Living In The Past. Anstelle der erkrankten Anne Wunderlich gab später die Sängerin Nina Berger eine Kostprobe ihres Könnens. Gleich mit Adeles' Bond-Song Skyfall konnte sie mächtig glänzen und sich gegen den Breitwand-Sound der Band behaupten. Am Anderen Ende ihres gesanglichen Spektrums stand das nur von Tolksdorf am Piano begleitete Liebeslied The Nearness Of You des unvergesslichen Hoagy Carmichael.

Das Publikum

Von der Altersstruktur so durchwachsen wie die Mitglieder beider Bands. Das perfekte Kompliment machten beide Bandleader fast wortgleich während des Konzerts: „Danke für Euren Applaus, das zeugt wahrlich von gutem Geschmack.“

Was in Erinnerung bleibt

Die überaus gelungenen Arrangements, die dem doch oft austauschbaren Bigband-Sound anderer Formationen immer wieder neue Seiten abgewinnen konnten. Und ganz besonders die tolle Titelauswahl, die neben einschlägigen Klassikern und Hits auch ein wenig abseits des Weges wilderte.

Fazit

Bigband-Musik ist nicht nur etwas für Nostalgiker, sondern kann – wie im Falle dieses Konzerts – modern, cool und zuweilen auch sehr rockig klingen. Generationsübergreifende Musik im besten Sinne. Zudem verblüffte das hohe musikalische Niveau dieses prickelndes Auftritts.

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