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Retro und Moderne im Einklang

Blues Baltica in Eutin Retro und Moderne im Einklang

Old School und Modern Blues sind kein Gegensatz. Den Beweis hält die Blues Baltica in Eutin parat. Das internationale Festival mit seiner 26. Auflage bewahrt Traditionelles, öffnet die Türen aber auch für Neues, Artverwandtes und zwölftaktigen Crossover.

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Sean Carney (li., hier mit der starken Sänger Shaun Booker) zeigte sich mal rasant groovig, mal gut fürs Herz mit einer R & B-Ballade.

Quelle: Dieter Hanisch

Eutin. Gerade hierzulande weitgehend bis gänzlich unbekannte Namen wurden wieder einmal in den Fokus gerückt. Nicht nur abendliche Highlights haben gestochen, auch am Nachmittag war Qualität glücklich mit dem Festival-Line-Up gekoppelt.

 Der Song Spoonful, ein Blues-Evergreen von Willie Dixon, erstmals veröffentlicht von Howlin Wolf, ist ein Beispiel, wie das Eutiner Event „tickt“: Das dänische Quartett Big Creek Slim & The Cockroaches präsentierte das Stück nahe am Original, verbunden mit der kräftigen Stimme von Marc Rune. Direkt nach den Dänen kam der ambitionierte Gitarrist John F. Klaver mit Band auf die Bühne und setzte mit jungem Elan eine hyper-aufgepimpte Version von Spoonful um, unter anderem angereichert mit einer druckvollen Hammondorgel, gespielt von Pascal Lanslots, die auch dem gesamten Auftritt den Stempel aufdrückte, mit gewissen Längen aber auch Anstrengung bedeutete. Der niederländische Blues-Aufsteiger Klaver ist trotzdem ein Name zum Merken. Als Marc Rune und Co. übrigens den Gospelsong Will The Circle Be Unbroken vortragen, läuten plötzlich die Glocken der benachbarten St. Michaelis-Kirche – eine passende Abfolge, auch wenn es gar keinen Regisseur dafür gegeben hat.

 Ein Zeichen setzte auch die Stadt Eutin, die zum Tod von Blues-Ikone B.B. King die Stadtfahne vor dem Rathaus auf Halbmast gezogen hat. Vor dem Auftritt der Publikumslieblinge Blues Overdrive aus Kopenhagen reagierte Schleswig-Holsteins Blues-Hauptstadt Eutin mit einer Schweigeminute auf dem Marktplatz ebenfalls angemessen auf die Todesnachricht. Klaver hat mit Peace Of Mind einen King-Titel auf der Setlist. Der Holländer zählt zu den Künstlern, auf die das Festivalmotto „Modern Europe“ passt, die Marcus Lovdal Band aus Norwegen, ein Quartett mit zwischen 22 und 24 Jahre alten Musikstudenten, wird künftig dahin steuern. Namensgeber und Gitarrist Lovdal hat in Eutin Stress und Spaß zugleich; Stress daher, weil er wenige Tage vor dem Gig sein linkes Bein eingegipst bekommen hat – etwas für die Rubrik: Wenn Musiker Fußball spielen … Wenig innovativ agierte dagegen Joe Colombo aus der Schweiz. Der Bluesrockgitarrist spielt in der Liga „schneller, höher, lauter, weiter“ mit viel Hendrix und Stevie Ray Vaughan im Gepäck.

 Für Alarm mit einem Rockabilly-Orchester hat Adriano BaTolba gesorgt – zehn Bläsern sei Dank. 13 Musiker bedeuten aber auch: Es war eng auf der Bühne! Nicht alle Blues-Fans waren angetan vom Gitarristen der Backbeats von Dick Brave alias Sasha, weil nur ein Little Walter-Stück im Programm auftauchte. Doch das energiegeladene Feuerwerk mit Rock’n’Roll, Swing und Groove kam bei der Masse super an, auch weil massenkompatible Titel wie Seven Nation Army (White Stripes) dabei waren.

 Eine Bestnote verdiente sich Sänger und Gitarrist Micheal Ledbetter aus der Nick Moss Band. Moss selbst zog alle Register an den Saiten, gerade auch im spannenden Zusammenspiel mit Ledbetter, so dass ein Klasse-Act daraus wurde. Und weil Sean Carney (Gitarre) mit Sängerin Shaun Booker sehr gut Blues, Soul, R & B und Funk mixten und etwas fürs Herz sowie die Tanzbeine lieferten, hatten die US-Künstler gegenüber den Europäern und dem Festival-Motto doch leicht die Nase vorn.

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