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Alles von zart bis hart

Blues Baltica in Eutin Alles von zart bis hart

Die 26. Blues-Baltica in Eutin ist Geschichte. Sie begann mit der Nick Moss Band aus Chicago mit einem Ausrufezeichen und endete mit Earl Thomas & The Royal Guard am Sonntagabend mit einem Sahnehäubchen.

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Tee Dee Young aus Kentucky bewies sich als feinmotorischer Könner an der Parker E-Gitarre.

Quelle: Dieter Hanisch

Eutin. Der Mann hat Musik studiert und Stücke für Etta James, Solomon Burke und Tom Jones geschrieben. Der Urheber-Hinweis bei diesen anderen Künstlern lautet meist Earl T. Bridgeman. Dass sich dahinter Earl Thomas verbirgt, erschließt sich eigentlich nicht, es sei denn, man weiß es. Der Mittfünfziger mit charismatischer Stimme ist eine exzentrische Persönlichkeit, die es versteht, allein durch ihre Erscheinung die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn er sich auf der Bühne aufbaut, das Mikro in die Armbeuge platziert, ohne Regung seinen starren Blick nach vorne richtet, dann eine Handfläche auf die eigene Brust legt, dabei langsam die Finger spreizt, dann darf man sicher sein, dass er gleich einem Strategen sich einen Song nicht nur textlich und musikalisch zurecht gelegt hat, sondern zugleich auch eine visuelle Präsentationsvariante dafür kennt: Ein elektrisierender Entertainer, der Emotionen und Esprit eine Erscheinung verleiht.

Thomas, selbst ein begnadeter Songwriter, greift auch Titel anderer Künstler auf, etwa Crazy von Gnarls Barkley oder Soulshine von Warren Haynes. Meist variiert er zwischen Soul und R & B, kann seinen Balladen-Charme dabei voll ausspielen, ist aber auch dem rasanteren Funk sehr aufgeschlossen. Getragen wird der US-Amerikaner dabei von einer exzellenten Begleitband aus London. Auch beim 25. und letzten Auftritt ihrer ausgiebigen Europatour in Eutin spielt Pat Levett am Schlagzeug traumhaft exakt, Daniel Drury am Bass tut es ihm gleich. Die Keyboardtasten beackert im wahrsten Sinne des Wortes oder streichelt Carl Hudson (Jamiroquai). Schließlich wirkt einer der besten aufstrebenden Gitarristen von der britischen Insel in der Formation mit: Scott McKeon, der von zart bis hart alle Saiten-Gangarten drauf hat.

Das kann zu Recht auch Tee Dee Young aus Kentucky mit seiner Parker-Gitarre samt italienischer Begleitband von sich behaupten, der jazzig in die Feinmotorik abdriftet, aber auch den lauteren, ab und an unsauberen Südstaaten-Sound beherrscht. Vor dem Thomas-Auftritt heimst er reichlich Beifall ein. Mit dem Three O‘Clock-Blues huldigt er den vor wenigen Tagen verstorbenen Altmeister B.B. King ebenso wie es bei der erst kurz vor Mitternacht endenden Abschlusssession unter Regie des international renommierten Kieler Blues-Exportschlagers von Georg Schroeter und Marc Breitfelder passiert, als mit diversen Blues Baltica-Künstlern gemeinsam The Thrill Is Gone erklingt, gesanglich vorgetragen von Shaun Booker. Die Session ist dann auch der Augenblick, bei dem nach fast vier Festivaltagen ohne Harp-Klänge die Blues-Mundharmonika noch einmal oder für manch einen endlich ins Rampenlicht rückt. Dafür stehen Marc Breitfelder und der spontan in Eutin während seines Europa-Trips vorbeigekommene Grady Champion aus Mississippi.

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