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Ungeschminkte Schönheiten

Blues-Jahreskonzert Ungeschminkte Schönheiten

„Zwischen den Tagen“ scheint es für die Kieler Blues-und Boogie-Fans offenbar einen Termin zu geben, an dem man nicht vorbei kommt. Das traditionelle Jahreskonzert vom ewigen Abi Wallenstein und seiner Blues Culture mit Steve Baker (Mundharmonika) sowie Cajónspieler und Schlagzeuger Martin Röttger im Kulturforum.

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Boogie-Woogie-Muntermacher: Abi Wallenstein (l.), Martin Röttger und Steve Baker.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Denn genau wie bei den Konzerten der vergangenen Jahre drohte der Laden auch am Sonntagabend erneut aus allen Nähten zu platzen.

Und so wie immer ließen sich die sitzenden und in jeder noch so kleinen Nische des Saals stehenden Gäste vom ersten Akkord an gefangen nehmen. Überraschendes oder Neues gab es kaum in dem gut zweistündigen Programm. Warum auch? Die vielen Menschen kommen zu diesem Konzert, weil sie wissen, was sie erwartet. Wenn man seine Lieblings-Blues-Scheibe auflegt, kennt man ja schließlich auch jeden Song – und freut sich darüber. Mit dem durch Sonny Boy Williamson bekannt gewordenen Blues Standard Sugar Mama eröffnete das Trio standesgemäß erdig, griffig und einfach gut. Außerdem konnte Steve Baker gleich eine frühe Kostprobe seiner großen Spielkunst mit der Mundharmonika geben. Es sollten noch viele solcher in ungeschminkter Schönheit strahlenden Blues-, Roots- oder Swamp-Kostbarkeiten zu Gehör gebracht werden.

Etwa Leadbellys Good Morning Blues, den die Band in ein warm groovendes Reggae-Gewand verpackte. Noch direkter aufs Tanzbein zielten die vielen Boogie-Woogie-Muntermacher, die Wallenstein und seine Jungs immer noch bestechend frisch und direkt von der Bühne pfeffern.

Aber auch die satten Bluesrock-Meilensteine wie Blind Willie Johnsons The Soul Of A Man oder Joni Mitchells Trouble Child samt beeindruckendem Schlagzeug-Solo von Martin Röttger begeisterten die bestens aufgelegte Menge. Am Ende eines umfangreichen und mit nimmermüder Spielfreude vorgetragenen Repertoires, das leisere Blue Notes, flirrenden Boogie, etwas Jazz und Soul sowie handfesten, Gitarren-orientierten Bluesrock harmonisch in Beziehung setzte, läutete Abi Wallenstein mit Aretha Franklins Super-Perle Chain Of Fools den Zugabenblock ein. Also dann, bis zum nächsten Jahr. Denn für Kiel gilt: Nach Weihnachten ist vor Wallenstein.

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Konzert in Kiel am 27.12.2015
Abi Wallenstein kommt am Sonntag mit seiner Band Bluesculture ins Kieler Kulturforum.

Spricht man in Hamburgs Musikszene vom Blues, fällt in der Regel ein Name zuerst: Abi Wallenstein. Sein Weihnachtskonzert in Kiel ist Kult.

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