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„Jam“ der Völker

Bootshafensommer in Kiel „Jam“ der Völker

Sie gehören inzwischen zum Kieler Kultursommer: der Bootshafensommer und das Fest der Auslandsgesellschaften am zweiten Wochenende mit seinen vielfältigen musikalischen und nicht zuletzt exquisit kulinarischen Angeboten, die zeigen, dass wir hierzulande – trotz leider brennender Flüchtlingsheime – keinen „Clash“, sondern einen uns bereichernden „Jam of Cultures“ haben.

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„We’re choosing Jah“, singt Teacha zur Eröffnung seines Gigs.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Den bestreiten zum Abschluss der Reggae-MC Teacha Dee aus Jamaika und die Hip-Hopper Eljot Quent aus Hamburg.

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 „We’re choosing Jah“, singt Teacha zur Eröffnung seines Gigs, denn der Name des Rastafari-Gotts „Jah“ lässt sich auf diesen magischen Offbeat wie auf die Botschaft der Liebe skandieren: „We are Reggae Soldiers, but we need no gun, just love!“ Klingt ein bisschen nach ’68 und Bob Marley, wessen wie auch Teachas Friedensbotschaft heute so aktuell ist wie damals. Karibisches Flair im zwar nach Tagen nicht mehr regnerischen, aber dennoch nicht gerade sommerlichen Kiel zu entfalten, ist freilich ein Kraftakt. Teachas Mitsing-Aufforderungen folgen die ausgekühlten Kieler eher zögerlich. Gleichwohl entflammt sie Damion „Teacha Dee“ Warren dann doch. Es ist mit dem Sommergefühl wie mit der Solidarität der Völker: Wo es nicht ist, kann man es durch Musik erzeugen. Der Reggae-Hit „Smoke & Fly“ ist dabei der Eisbrecher. Auch wenn, wie Teacha erzählt, Polizeibeamte gewöhnlich humorlos auf das Bekenntnis reagieren, man habe nicht getrunken um zu fahren, lediglich Jahs Kraut geraucht um zu fliegen: Straßen seien nicht fürs Fliegen freigegeben. Kiels Straßen um den Bootshafen allemal, vertraut man dem Einverständnis des nun einstimmenden Publikums.


  
 Wir brauchen keine Helden in diesen düsteren Zeiten, nur uns selbst, so auch die Botschaft der Hip-Hop-MCs Len und Müwie, neuerdings um den wie DJ Fogel ordentlich Druck machenden Live-Drummer Fergie erweitert. „Batman ist tot“ titelt ihr jüngstes Album, ein Plädoyer für die wahren Helden – die des Prekariats. Und so fädeln sich die Silbenkünstler, denen man zurecht Nähe zum Diskurs-Pop der Hamburger Schule nachsagt, durch ebenso kritische wie rockende Texte, welche die Dilemmata einer nur wirtschaftlich, aber nicht sozial globalisierten Welt auf die wunden Punkte bringen. „Urlaub im Kopf“ ist für Eljot Quent kein Ponyhof, sondern die beständige Auseinandersetzung mit und Befeuerung von gesellschaftlichen Widersprüchen. Die sind wie bei Brecht „die Hoffnung“. Genauso der wie das polnische Bier honiggelbe Vollmond, der jetzt über dem Bootshafen aufsteigt – im „Jam“ der Völker über alle von den vermeintlich Mächtigen errichteten Grenzen hinweg.

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