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Ida Gards freche Nische

Bootshafensommer Kiel Ida Gards freche Nische

Es ist ein kniffliges Unterfangen einem Musiker auf der Studioplatte ebenjene Authentizität und jenen Klang zu verleihen, die der Künstler bei Konzerten versprühen kann. Umso schöner handhabt es Ida Gard, ihres Zeichens nicht weniger als die Folk-Pop-Hoffnung Dänemarks.

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Dänemark ist schon ganz verrückt nach ihr, Deutschland könnte es werden: Ida Gard beim Kieler Auftritt.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Nur sich selbst mit Gitarre begleitend und von Schlagzeugerin Anne Kristine Winkler unterstützt wirken die Songs ungeschliffen, nackter und stellen ihre glasklare Stimme in den Vordergrund.

 Dass die Endzwanzigerin aus Kopenhagen als Dänemarks aufgehender Stern gefeiert wird, merkt man ihr ob ihrer humorvoll-sympathischen Art keineswegs an. Den Kielern ist dies offensichtlich auch nicht entgangen. Die Sitzreihen beim Bootshafensommer sind bestens gefüllt und Ida Gard möchte lieber erst einmal spielen: „I will talk later.“

 Schnell wird dann klar, weshalb all die Vorschusslorbeeren die Dänin begleiten. Die Folk-Pop Lieder sind genauso facettenreich wie ihre Stimme. Its Windy wirkt zunächst verträumt, doch kann sie dem Stück jederzeit eine andere Richtung geben. Womb, inspiriert vom Buch und Film Populärmusik aus Vittula, erzählt zuckersüß vom zu schnellen Erwachsenwerden und auch hier bricht sie den Song mit dichtem Songwriting plötzlich herunter.

 Dann wird erzählt. Sie lerne deutsch via Bubble-App, behauptet, sie habe die Sonne wieder nach Kiel gebracht und prostet dem Publikum zu: „Skol, Kiel!“ Wenn auch nur mit Wasser – die Songs haben es weiter in sich. Gesanglich, textlich, strukturell. Vor allem wenn das Schlagzeug virtuos anschiebt. Vergleiche zu Kate Nash, PJ Harvey oder auch Kate Bush, deren Running Up That Hill sie covert, lassen sich natürlich ziehen, aber Ida hat es sich in ihrer eigenen frechen Nische gemütlich gemacht. Oder hat jemand schon einmal seinen eigenen Namen, sein Label und seine Lieblingsschokolade in einem Lied untergebracht?

 Die lieben Menschen von Kitkat fanden den Song auch echt toll, nur danach benennen durfte sie ihn nicht. Nun heißt er Need A Break. Sätze wie „You can buy CDs in Holzhäuschen“ sorgen für weitere Lacher, bevor es wieder ernster wird. Der letzte Song heißt passend This Is An Ending. Schade, war alles viel zu kurz. Mit ausgiebigem Applaus wird Ida verabschiedet. Bis zum 18. März 2016 darf die Zeit schnell vergehen. Dann kommt Ida Gard nämlich ins Lutterbeker.

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