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Perspektiven bildschön durchdekliniert

Borchard im Speicher Perspektiven bildschön durchdekliniert

Zehn Jahre ist es her, dass Rolf Reiner Maria Borchard in der Landesbibliothek ausgestellt hat. Nach einer Schau mit Kieler Stadtteilimpressionen im Stadtmuseum 2011 ist er jetzt mit Landschaftsfotografien in die großzügigen Räume im Satori & Berger-Speicher zurückgekehrt.

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Und immer das blauschimmernde Band der Förde: Reiner Maria Borchard setzt die Schlei ins Bild.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Damals präsentierte er eine Rückschau auf Fotografien aus den vergangenen 35 Jahren. Heute: Brücken und Bäume schweben zwischen Himmel und Erde, das graue Band der Landstraße trennt braunes Ackerland vom Dickicht der Knicks, dramatische Wolkenformationen spiegeln sich in glatter Wasseroberfläche.

„Stille Orte an der Schlei und anderswo“ nennt der ehemalige Professor für Gestaltung und Fotografie an der Muthesius Kunsthochschule (1987-2006) die Auswahl stimmungsvoller Aufnahmen, die nur auf den ersten Blick der Schönheit einer lieblichen Landschaft zwischen Wasser, Land und Horizonten huldigen. „Ich beschäftige mich mit Landschaft als Genre“, so der 75-Jährige, der froh ist, sich seit zehn Jahren als Ruheständler nach insgesamt 36 Jahren Lehrtätigkeit komplett auf die eigene künstlerische Arbeit konzentrieren zu können. „Ich habe mich so lange mit der Kunst auseinandergesetzt, dass ich eine eigene Sichtweise entwickelt habe. Daher kann ich, wenn ich mit einem Thema durch die Gegend reise, relativ schnell Motive finden, die tragend sind.“

Bildaufbau steht im Mittelpunkt

Borchard geht es um Ästhetik und Komposition und man hört noch heute den Lehrenden durch, wenn er sagt: „Der Aufbau des Bildes steht im Mittelpunkt.“ Über sechzig Mal ist der gebürtige Nordrhein-Westfale an die Schlei gereist, fotografierte Herrenhäuser und Baustellen, frisch gepflügte Äcker und immer wieder das blau schimmernde Band der Wasserstraße, auf der Segelboote nur dann vorkommen, wenn sie aus dem Bild heraus segeln. Menschen gibt es in Borchards Bildern nicht, nur ihre Spuren, hinterlassen in Gestalt von Telegrafenmasten, Brückenkonstruktionen oder Kondensstreifen am Himmel. Fluchtpunkte sind ein wichtiges Kriterium in seinen Aufnahmen. Mal gerahmt durch Bäume und andere „Blicktore“, mal raffiniert gestört durch spezifische Verwerfungen wie kreuzende Wege oder Bodenwellen, bestimmt das Spiel mit der Zentralperspektive einen großen Teil der Motive, die in insgesamt 53 großformatigen Exponaten wunderbar zur Geltung kommen. Der Kontrast von Helligkeit und Dunkelheit ist ein anderer Schwerpunkt, genauso wie das Thema Spiegelungen, das anhand unterschiedlicher Perspektiven durchdekliniert wird. Natürlich dürfen diese Aufnahmen als „schön“ empfunden werden. Für Borchard ist das jedoch zweitrangig. „Mein Gefühlsleben ist relativ herb“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Ich mag Bilder, die eine Struktur haben.“

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