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Da wird nichts beschönigt

Bosse im Funkhaus Wittland Da wird nichts beschönigt

Ehrlich, treu und ungeduldig. So beschreibt sich der deutsche Songschreiber und Rocksänger Axel „Aki“ Bosse selbst mit drei Adjektiven. Auf seinem aktuellen sechsten, opulent instrumentierten Studioalbum "Engtanz" bleibt er seiner persönlichen Schiene treu und singt außerdem viel übers Tanzen. Seine gute Selbsteinschätzung weiß der gebürtige Braunschweiger beim Besuch bei Delta Radio zu bestätigen.

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Ganz nah dran am Publikum: Bosse beim Exklusivkonzert von Delta Radio.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. So klar, warm und deutlich wie seine Stimme beim Opener Steine des unplugged-Sets sind auch seine Ausführungen im vorherigen Interview. Als er mit seiner flippigen Art den Raum betritt, sich aus der Naschschale bedient und sein Mineralwasser öffnet, würde er am liebsten ohne Fragen sofort anfangen zu erzählen. „Es ist mir egal, was die Plattenfirma, die Leute oder meine Frau sagen“, ist Bosse ganz ehrlich über die Erwartungshaltung, nachdem das Vorgängeralbum sein bisher erfolgreichstes war. „Jedes Album fällt mir schwer. Würde ich beim Schreiben an den Erfolg denken, dann könnte ich noch nicht einmal anfangen“, sprudelt es weiter aus ihm heraus. Der Erfolg kam bei Bosse ohnehin langsam und kontinuierlich. „Ich bin den schmutzigen Weg gegangen, habe in Wuppertal im Proberaum gepennt“, erzählt er lachend. „Bei schnellem Erfolg haben die Leute gar keine Gelegenheit, sich selbst zu finden. Mein Beruf hat auch mit Demut zu tun, weil ich die Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Dazu gehört auch Danke sagen.“

 Und das tut er in seinen Liedern. Auf der Bühne im Funkhaus bekommen die balladesken neuen Songs wie Dein Hurra und Ahoi Ade mit Harmonium, Glockenspiel und Carboncello einen neuen Anstrich verpasst, der perfekt zur intimen Stimmung passt. Zu persönliche Lieder gibt es für ihn nicht: „Musik funktioniert so, dass die Leute ihre eigene Situation in den Texten sehen und nicht den Typen, der das singt.“ Und Bosse ist eben der Typ, der über das Leben singt, wie er es wahrnimmt und es viele kennen. Daher sind seine Songs unvermeidlich in Melancholie getränkt. Nach der anfänglichen Bitte sich hinzusetzen, sollen jetzt beim Konzert doch alle aufstehen. Seine Hits So oder So und Schönste Zeit sorgen für Uptempo und Mitsing-Chöre im Publikum. Hin und wieder steht dem rechten Fluss jedoch Bosses Markenzeichen im Weg. Nur allzu gerne bindet er komplexe und sperrige Wörter ein. In Nachttischlampe etwa ist das Glück „so schnell wie Aubameyang“, dem aktuell schnellsten Spieler der Fussball-Bundesliga. Aber das ist typisch Bosse. Er verstellt sich nicht und sagt es, wie er es am besten kann. Daher beschönigt er auch nichts, wenn er aus dem Nähkästchen über seine Vergangenheit als Jugendfußballer beim Vfl Wolfsburg plaudert: „Ich hatte dann soziale Probleme, denn umso besser du wirst, umso stumpfer werden die Mitspieler.“ Und weiter: „Von 17 bis 22 habe ich mir das totale Brett gegeben. Später gab es dann zur Musik nie eine echte Alternative.“

 Als die Zeit im Interview drängt, nur noch eine Fragerunde angesetzt wird, sagt Bosse: „Wir machen noch zwei.“ Auf der Bühne merkt man ihm dieselbe Mühe an. Bosse möchte, dass alle einen schönen Abend haben. Die Zeit vergeht wie im Fluge, und so singt Bosse von Vier Leben. Sie wären ihm wirklich zu wünschen.

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