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Aus dem puren Leben

Flavia Coelho in der Pumpe Aus dem puren Leben

Von Wirbelwind mag man eigentlich nicht sprechen, auch wenn die aus Brasilien stammende Sängerin Flavia Coelho ein solcher ist.

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Aufrührerischer Impetus: Flavia Coelho in der Pumpe.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Aber die Reggae-Beats sind am Beginn ihres Auftritts im Roten Salon der Pumpe mit Songs von ihrem neuen Album Sonho Real so lässig federnd, dass man sich eher auf einen tropischen Hauch denn auf Stürmisches einstellt.

 Freilich hält dieser Eindruck nicht lange an, denn die Off-Beats von Keyboard und Schlagzeug machen von Anfang an kräftig Druck, und Coelhos rap-ähnliche Silben rattern so flink, dass an Entspannung kaum noch zu denken ist. Auch wenn man die Texte dadurch nicht immer versteht, man kann fühlen, dass sie aus dem puren Leben der Favelas gegriffen und nicht ohne aufrührerischen Impetus sind. In der Unruhe des „Bossa Muffin“, wie Coelho ihren Mix aus Forro, Ragga, Samba, Calypso bis hin zu manchem Balkan-Beat nennt, liegt hier die Kraft.

 Selbst in den sanfteren Songs, wo das nur unzureichend mit „Weltschmerz“ übersetzbare Gefühl der „Saudade“ die Ausgelassenheit milde dämpft. Etwa in einem Song, den Coelho ihrem Vater widmet – wo die Beats mal schweigen, Begleiter Victor Vagh vom Electro-Beat-Keyboard zur schwermütig geblasenen Harmonika wechselt und Coelho ihren Gesang nur auf der Gitarre begleitet. Natürlich ist auch das dem puren Leben abgelauscht, dem sie in Pura Vida eine tanzbare Hymne singt. Wobei Tanzen hier auf dem Boden des Roten Salons zunächst immer noch eher locker Wippen heißt.

 Aber Flavia Coelho hat noch weit Wilderes im Gepäck, wo sich das anfängliche Bild vom Wirbelwind umso mehr aufdrängt – besser: direkt in die Beine fährt. Bei Paraiso nämlich, das ihre Begleiter in glühenden Calypso-Sound tauchen, springt der Tanzfunke endgültig über, und das Publikum gerät beinahe in Karnevalstimmung. Wobei, wie die Sängerin uns ein bisschen ins Nähkästchen ihres Stilmixes schauen lässt, ihre Geburtsstadt Rio vom Temperament her noch um einiges wilder sei als der Nordosten Brasiliens mit seinem entspannteren Ragga-Muffin-Gefühl.

 Wie auch immer, Flavia Coelho verbindet beide Pop-Traditionen zu einem ungemein lebendigen „Sonho Real“, der in der Pumpe auf offene Ohren und bewegte Beine trifft.

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