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Mit Schöpfungsdemut und Albus’ Augen

Kunsthalle Kiel Mit Schöpfungsdemut und Albus’ Augen

In der Kieler Kunsthalle ist die Freude groß, dass es der Breitling-Stiftung gelungen ist, gleich 63 Arbeiten der Künstlerin, Illustratorin und Schriftstellerin Anita Albus anzukaufen. Bis auf wenige Ausnahmen seien damit sämtliche bis 2004 entstandenen Werke als Konvolut zum Verbleib in der Sammlung bestimmt. Die Vorbesichtigung brachte faszinierende Eindrücke. Eine Ausstellung ist geplant.

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Aus dem Leben des „Entihelden“

Anita Albus’ „Waldrappe in Weltlandschaft“ (1999-2001, Öl auf Leinwand und Holz) genügt wissenschaftlichen Ansprüchen in Sachen Vogelkunde, fasziniert in seiner handwerklichen Meisterschaft und zitiert zugleich Weltanschauliches Alter Meister.

Quelle: Sönke Ehlert / Kunsthalle zu Kiel

Kiel. Das changierende Farbschimmern auf dem weichen Gefieder des seltenen Waldrappen oder die im wahrsten Sinne mehrschichtigen Reflexe eines Teiches an dem die Eisvögel leuchten – man hätte kaum für möglich gehalten, das in diesem Detailreichtum und von derartiger Plastizität gemalt nacherschaffen zu sehen. Von einer spürbaren „Demut“ gegenüber der Schöpfung, da sind sich Kiels Kunsthallen-Chefin Anette Hüsch und die Leiterin der Graphischen Sammlung, Annette Weisner, einig, ist das durchweg gegenständliche Bildschaffen der Künstlerin Anita Albus erfüllt. Die zurückgezogen in München und Burgund lebende Künstlerin habe nach jahrelangen Verhandlungen das notwendige Vertrauen entwickelt, nahezu ihr gesamtes, aus Aquarellen und Ölgemälden bestehendes Œuvre in den Norden zu geben – mit dem sie sonst allenfalls ein lesenswertes Buch über die dänische Schriftstellerin Tania Blixen verbinde.

 Die 73-jährige Anita Albus, die an ihren selten öffentlich gezeigten, eher kleinformatigen Bildern oft jahrelang arbeitet, bezeichnet sich selbst als „unzeitgemäße Malerin“. Obwohl sie einst zeitweise in Daniel Spoerris Atelier arbeitete und als feministische Autorin in der 68er-Bewegung sozialisiert war, stehen ihre figurativen Werke völlig quer zur Moderne, eignen sich in ihrer Genauigkeit in Sachen Flora und Fauna dagegen als wissenschaftliches Material - gerade in einer Kunsthalle, die an eine Universität angegliedert ist. Damit verweisen sie einerseits zurück auf Welterfassendes eines Alexander von Humboldt, andererseits in der hoch entwickelten Maltechnik und dem Verwenden von selbstgemischten Farbpigmenten auf Renaissance und Barock à la Rogier van der Weyden oder Albrecht Altdorfer, wie Sammlungsleiter Peter Thurmann betont. Gleichzeitig entwickeln die eher statischen Kompositionen der mit einem Hans Magnus Enzensberger im Austausch stehenden Proust-Übersetzerin aber auch hintersinnig surreale Bedeutungsebenen.

Die Stiftungsrat-Vertreter der Breitling-Stiftung, Bernd Brandes-Druba und Jörn Winterfeld, zeigten sich gestern sehr zufrieden, dass es ganz im Sinne des verstorbenen Handwerksunternehmer-Ehepaars Karl-Walter und Charlotte Breitling gelungen sei, handwerklich und künstlerisch hochwertige Kunst zu erwerben, die rein gegenständliche Motive zeige. Über das finanzielle Volumen sei vertraglich Stillschweigen vereinbart worden. Brandes-Druba ließ zumindest durchblicken, dass die Stiftung in diesem Fall bewusst über Jahre einen Ankaufsetat angespart hatte, um der Kunsthalle die ganze Sammlung zu sichern.

Die Werke sollen bald in einer Ausstellung gezeigt werden. Und Anette Hüsch ist zuversichtlich, die scheue Künstlerin, die ihre dem Kunstmarkt vorenthaltenen Unikate nie mit Signaturen ausweist, dann auch nach Kiel locken zu können.

www.kunsthalle-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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