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Ökokrimi im Nebel

Tatort aus Bremen Ökokrimi im Nebel

Windparks im Meer sind ein Millionendeal und werden von Naturschützern kritisiert. In dem neuen „Tatort“ mit dem Titel „Wer Wind erntet, sät Sturm“ geraten die Bremer Kommissare in die Schusslinie von Unternehmern und Umweltschützern.

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Der Betreiber des Windparks, Lars Overbeck (r, Thomas Heinze) im Gespräch mit Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen).

Quelle: Jörg

Bremen. Ein Naturschützer fährt raus aufs Meer und klettert ohne Genehmigung auf eine Windkraftanlage. Oben trifft er auf tote Singvögel. Die Tiere wurden von den Rotorblättern zerstückelt. Von hier aus schickt der Umweltaktivist eine Videobotschaft los, einen Aufruf gegen diese Tötungsmaschinen. Der Radio-Bremen-Tatort „Wer Wind erntet, sät Sturm“ an diesem Sonntag (20.15 Uhr) dreht sich um Machtkämpfe und Goldgräberstimmung in der Nordsee.

Als ein Umweltaktivist tot aufgefunden wird und in derselben Nacht dessen Freund Hendrik Paulsen (Helmut Zierl) verschwindet, ermitteln Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und ihr Kollege Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) auf Windanlagen, in Montagehallen und den Büros von Naturschutzorganisationen.

Hat der Windpark-Betreiber Lars Overbeck (Thomas Heinze) etwas damit zu tun? Welche Rolle spielt die schöne Naturschützerin Katrin (Annika Blendl)? Es geht um alte Seilschaften und neue Interessen. Diese Radio-Bremen-Produktion überzeugt, weil die Grenzen zwischen schuldig und unschuldig fließend sind.

Anders als bei dem Familiendrama im vorhergehenden Bremen-„Tatort“ ist dieser Krimi politisch brisant. „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, heißt es im Alten Testament. Bei Radio Bremen wird daraus: „Wer Wind erntet, sät Sturm“, eine Anspielung auf die Turbulenzen bei Offshore-Unternehmern, Hedgefonds-Managern und Naturschützern.

Anfangs wirkt der Film wie Nachhilfeunterricht: Die Videobotschaft des Umweltaktivisten wird benutzt, um die Zuschauer über die Gefahren von Windparks für Zugvögel und Wale zu informieren.

„Es muss diesmal viel Wissen vermittelt werden“, räumte Drehbuchautor Wilfried Huismann in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur ein. Der für seine kritischen TV-Dokumentationen ausgezeichnete Journalist legt — zusammen mit zwei weiteren Autoren — den Finger in die Wunde. Er wolle zeigen, dass Offshore-Unternehmer Geld an Naturschutzorganisationen zahlen, um hoch attraktive Öko-Siegel zu erhalten, sagte Huismann: „Das ist moderner grüner Ablasshandel.“ Allein in der Nordsee seien 100 weitere Windparks geplant, für Zugvögel blieben irgendwann nur noch enge Flugschneisen.

„Wir haben uns mit einer Branche angelegt, die keine Lust auf uns hatte“, ergänzte Regisseur Florian Baxmeyer bei der Premiere des Krimis in einem Bremer Kino. Viele Szenen hätte er woanders drehen müssen als geplant. Obwohl das TV-Team letztendlich auf einer Windkraftanlage an Land blieb, haben die Zuschauer durch Drohnenflüge über dem Meer und Animationen den Eindruck, offshore zu sein. Baxmeyer wagt neben vielen spannenden Szenen Ausflüge zum Slapstick. Ein Junge in Cowboy-Kostüm gibt den TV-Kommissaren den entscheidenden Hinweis, ein überzeichneter Hedgefond-Manager chattet mit seiner Oma.

Sabine Postel, Bremen-Kommissarin der ersten Stunde, räumte bei der Premiere ein, sich erst im Zuge dieser „Tatort“-Folge mit der millionenteuren Jagd nach den Nutzungsrechten in der Nordsee auseinandergesetzt zu haben: „Da geht es um sehr viel Geld. Das macht korrumpierbar. Auch in dieser Branche sind Hedgefonds-Manager unterwegs, die extrem jung sind und extrem smart, Pokerspieler ohne jedes Unrechtsbewusstsein.“ Trotzdem hätten sie und die anderen alles daran gesetzt, dass „Wer Wind erntet, sät Sturm“ kein Klischeekrimi ist.

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