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Unverkennbare Handschrift

Brigitta Borchert Unverkennbare Handschrift

Ihren Bildern begegnet man in Schleswig-Holstein immer wieder. Mit ihrem sicheren Blick für den besonderen Moment, den sie mit flinkem Pinsel oder Zeichenstift für die festhält, gehört Brigitta Borchert zur Kunstszene im Norden. Seit 1978 auf nahezu jeder Landesschau vertreten, zieht sie seit 1991 regelmäßig mit den Norddeutschen Realisten durch die Lande. Vor kurzem feierte die gebürtige Berlinerin ihren 75.Geburtstag.

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Blick in den Orchestergraben des Kieler Opernhauses: Brigitta Borchert sucht die besondere Perspektive.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Für die Sparkassenstiftung willkommener Anlass, ihr eine Retrospektive zu widmen. Blick zurück – nach vorn heißt die Schau, die neben Bildern und Zeichnungen auch einen Begleitband der Reihe Ars Borealis präsentiert, in dem die in Molfsee beheimatete Künstlerin auch selbst ausführlich zu Wort kommt.

 Was die Begabung angeht, ist Brigitta Borchert familiär vorbelastet. Bereits ihre Großmutter studierte Kunst in Riga, Vater Bernhard war Professor an der Kunsthochschule Berlin. Schon als Kind wusste sie, dass sie Malerin werden wollte. Woher? „Weil ich es konnte!“, so die prompte Antwort. Mit 17 stellte sie sich ohne das Wissen ihres Vaters samt Mappe an der Berliner Kunsthochschule vor, wurde angenommen und konnte der wenig geliebten Schule den Rücken kehren. Nach dem Studium führte ihr Weg sie zunächst zu Gruner & Jahr, wo sie mehrere Jahre für die „Brigitte“-Redaktion im Bereich Grafik/Layout und Illustration arbeitete. „Ich habe damals viel Mode gezeichnet. Überhaupt landete alles was gegenständlich und figürlich darzustellen war, auf meinem Schreibtisch.“ Für Borchert ein Glücksfall, denn in der Kunst war das Figürliche in den 60er Jahren verpönt.

 Bis heute ist sie ihrem Stil treu geblieben – so sehr, dass sie angesichts der Schau verwundert feststellt: „Obwohl so viele Jahre zwischen den einzelnen Bildern liegen, sieht eigentlich alles ziemlich gleich aus.“ Stimmt. Jedenfalls was die Qualität betrifft. Ob der Flügel auf der leeren Bühne des Kieler Opernhauses, 1993 mit Pastellkreide festgehalten, oder die Porträtskizzen von Künstlerkollegen während eines Symposiums 2006, ob der Blick in die „Best Stuv“ eines Sylter Pesels (2011), dessen blankpoliertes Parkett im schräg einfallenden Sonnenlicht glänzt, oder die quietschbunten, aktuellen Figurenskizzen, Unterwegs notiert auf dem Smartphone oder Tablet: Die Handschrift ist unverkennbar.

Ihre Motive sucht Brigitta Borchert nicht, sie findet sie. Und wenn sie sich während eines Plein-Air-Symposiums in ein Stück Landschaft vertieft, dann hat das für sie „etwas Meditatives“. Dabei sei sie eigentlich sei sie gar keine Landschaftsmalerin. „Das Figürliche interessiert mich mehr.“ Und was ist so spannend an Menschenbildern? „Es ist das Schwierigste “, sagt sie und lacht. „Ich stelle mich gern schwierigen Sachen. Figuren und Gesichter so hinzubekommen, dass alles stimmt, darin liegt für mich der Reiz.“ (Sparkassenakademie, Kiel-Mettenhof, Faluner Weg 2. Bis 10. Juli. Werktags 9-17 Uhr.)

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