12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Todbringende Erdbeeren in Venedig

Deutsche Oper Berlin Todbringende Erdbeeren in Venedig

Am Ende seines Lebens fühlte sich Benjamin Britten geradezu verpflichtet, Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ als Oper zu komponieren. In Graham Vicks Inszenierung von „Death in Venice“ an der Deutschen Oper Berlin ist der Tod allgegenwärtig.

Voriger Artikel
Dornen und Parfüm
Nächster Artikel
Was die Gegenwart bewegt

Paul Nilon (li. als Gustav von Aschenbach) in Vicks Britten-Inszenierung.

Quelle: Marcus Lieberenz/bildbuehne.de

Berlin. Graham Vick lässt die gesamte, zweieinhalb stündige Oper in ein und derselben Trauerhalle spielen, deren in grellen Farben gehaltene Wände in krassem Kontrast zur moribunden Szene stehen. Von Venedig ist nichts zu sehen. Stattdessen nimmt das in riesigen Graffiti-Lettern geschriebene Wort „Achtung“ im zweiten Akt die Aufmerksamkeit der Zuschauer in Anspruch. Solche inszenatorischen Eigenwilligkeiten und der Totalverzicht auf Atmosphäre tun dieser Oper allerdings gar nicht gut.

Der Schluss der Oper wird von Graham Vick umgedeutet. Aschenbach stirbt nicht am Strand beim Anblick des Knaben, sondern an „todbringenden Erdbeeren“. Zuvor aber muss er mit ansehen, wie Tadzio im Kampf mit seinen Spielgefährten überraschend zu Tode kommt. Aschenbach verlässt dann langsamen Schrittes die Trauerhalle. Was für eine Banalisierung des großen, poetischen Orchester-Adagios.

Paul Nilon bewältigt seine gewaltige Aschenbach-Rolle mit beachtlichem Erfolg. Auch wenn er seinem Tenor viele Farben und Nuancen abverlangen kann, so hätte man sich doch mehr Identifizierung mit der Tragik des alternden Aschenbach gewünscht. Donald Runnicles führt das Orchester mit Umsicht durch die komplexe, in vielen Farben schillernde Partitur.

www.deutscheoperberlin.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3