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Brückenschlag zur Uni

Philharmonisches Orchester Kiel Brückenschlag zur Uni

Mit im doppelten Sinne „namhaften“ sinfonischen Highlights von Dvorák (Aus der Neuen Welt), Mendelssohn (Schottische), Beethoven (Pastorale), Tschaikowsky (Pathétique) und Mahler (Auferstehungssinfonie) will Kiels Generalmusikdirektor Georg Fritzsch in der kommenden Saison in die Philharmonischen Konzerte locken – und dabei die Universität einbeziehen.

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GMD Georg Fritzsch (li., mit Intendant Daniel Karasek) bei der Präsentation der Konzerte.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Dazu kommen attraktive Werke des norddeutschen Meisters Johannes Brahms (Dritte Symphonie und Zweites Klavierkonzert mit dem Rudolf-Serkin-Schüler Ronald Brautigam) – und die Verpflichtung von weiteren attraktiven Solisten wie dem wunderbaren Oboisten François Leleux oder der Geigerin Antje Weithaas. Fünf Konzerte wird Fritzsch wie gewohnt selber dirigieren. Hinzu kommt das Neujahrskonzert, das einer garantiert anregend „historisch informierten“ Aufführung von Beethovens Neunter gewidmet sein wird und ein paar Wochen später ihr stilistisches Echo in Mozarts reifem B-Dur-Klavierkonzert KV 595 finden könnte, das mit Herbert Schuch am Hammerklavier erklingen soll.

 Zu den Besonderheiten in der Planung darf man auch den Saisonauftakt zählen, der dem Jubilar Richard Strauss gewidmet ist. Mit einem Gruß hinüber ins Opernhaus zu Verdis frühem Meisterwerk Macbeth soll die eher unbekannte, gleichnamige Tondichtung mit düsterer Dramatik faszinieren. Hinzu kommt das feine, späte und auch nicht eben häufig gespielte Oboenkonzert in erwähnter Starbesetzung. Ein spanisches Programm verbeugt sich vor dem aktuellen Kieler Kulturpreisträger Cristóbal Halffter – mit der Deutschen Erstaufführung von Fandango. Im sechsten Konzert will Fritzsch plausibel machen, was ihn an der merkwürdigen Kombination von Beethovens Sechster mit Strawinskys Sacre du Printemps reizt.

 Zur Feier des Uni-Jubiläums macht im Juni 2015 dann bestimmt Gustav Mahlers gewaltige Zweite Symphonie großen Effekt, zumal sich Opernchor und Philharmonischer Chor dazu mit der Studentenkantorei symbolisch zur Auferstehungsfeier vereinigen. Den Brückenschlag hinüber auf den Campus betreibt der GMD auch mit einem mittäglichen Gesprächskonzert im Audimax: Dvoráks Neunte könnte tatsächlich studentische Sehnsüchte wecken. Allerdings erscheint nach wie vor die finanzielle Schwelle für Schüler und Studenten zu den eigentlichen Philharmonischen Konzerten allzu hoch: Rund 12 Euro auf den billigsten und mehr als 25 Euro auf den teuersten Plätzen sind einfach zu viel. Mit einer entsprechenden Regelung für Last-Minute-Tickets (wie bereits im Opernhaus üblich) ließe sich vielleicht doch endlich mal das eine oder andere junge Gesicht zusätzlich im vielzitierten „Silbersee“ des Publikums sehen.

 „Junioren“ werden diesmal nicht mit Märchenstunden à la Karneval der Tiere oder Peter und der Wolf sowie berühmten Schauspielern verführt, sondern mit Weihnachtszauber und Trompetenglanz. Die kometenhaft aufgestiegene Reinhold-Friedrich-Schülerin Laura Vukabratovic hat den versierten Blechbläserkollegen Leo Siberski im berühmten Hummel-Konzert am Pult. Als Rarität gesellt sich Rimsky-Korsakows vermutlich opulente Opernsuite Der Tag vor Weihnachten hinzu.

 Gastdirigenten sind erneut der anspruchsvolle Niederländer Jac van Steen, und der ebenfalls interessante Augsburger und Grazer Chef Dirk Kaftan, der in der Fachzeitschrift „Opernwelt“ bereits mehrfach als „Dirigent des Jahres“ nominiert wurde. Georg Fritzsch zeigt sich somit weiterhin souverän, erstklassige Kollegen neben sich ans Pult der Philharmoniker zu lassen. Der Italiener Oleg Caetani, Sohn des legendären Igor Markevitch, ist ein prominentes Beispiel dafür. Alle sollen – mit Werken von Bartók sowie von Weill und Schulhoff – für Gegengewichte klassischer Moderne im historisch-romantischen Reigen sorgen.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion