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Höllenangst und wohliges Gruseln

Bucerius Kunstforum Höllenangst und wohliges Gruseln

Hieronymus Bosch war ein Superstar der niederländischen Kunstszene seiner Zeit. Seine Werke wurden hoch gehandelt, ihre von fantastischen Figuren bestimmten Motive waren berühmt. Und sie fanden viele Nachfolger und Nachahmer. Werke im Gefolge der Boschschen Monster zeigt derzeit das Bucerius Kunstforum in Hamburg.

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Orientiert an der Bildsprache von Hieronymus Bosch: „Die Verspottung des Hiob“ von Jan Mandyn (1500/02-1559/60).

Quelle: Axel Heimken

Hamburg. Bosch (um 1450 bis 1516) lebte an der Grenze vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit, geistig und religiös jedoch war er fest in mittelalterlichen Vorstellungen verwurzelt. Seine fantastischen Wesen, diese unglaubliche Versammlung von Monstern und Mutationen, illustrierten die Furcht vor dem Jüngsten Gericht und der Hölle, in der alle Sünder irgendwann einmal landen. Die bildnerische Fantasie des Hieronymus Bosch indes war so gewaltig, dass moderne Forscher ihm heute abnorme und sogar pathologische Eigenschaften zuschreiben. Wie man in der Hamburger Ausstellung lernen kann, wurde Boschs Monster-Menagerie im 16. Jahrhundert allerdings umgedeutet.

 Aus religiös motivierten Bildern wurden durch die Nachfolger Teile der neu entstehenden Unterhaltungsindustrie. Man betrachtete die fantastischen Kreaturen so, wie man heute einen Horrorfilm ansieht. Aus der existenziellen Angst vor Hölle und Fegefeuer wurde das wohlige Gruseln, das wir ja auch heute noch kennen. Im Prinzip wurde nach dem Tod von Bosch seine Welt der religiösen Vorstellungen in eine frühmoderne bildliche Geisterbahn umgewandelt.

 Diese Entwicklung ist in der Hamburger Ausstellung gut abzulesen. Viele niederländische Künstler fertigten Kupferstiche nach Motiven von Hieronymus Bosch, sein Name wurde als Ideengeber sehr häufig genannt – der Name Bosch sorgte für Umsatz und Gewinn. Die Druckgrafik als frühe Form des Massenmediums sorgte rasch für eine Verbreitung der Blätter, die offensichtlich den Zeitgeschmack trafen. Künstlerisch jedoch sind die Grafiken – in der Hamburger Ausstellung sind nur eine Handvoll Gemälde von Bosch-Nachfolgern zu sehen – meistens weniger wertvoll als die Vorlagen.

 Sie greifen allerdings auch einen Aspekt aus dem Werk von Hieronymus Bosch auf, der oft übersehen wird: Bosch war auch ein Maler des Alltags. In seinen Tryptichen sind es häufig die linken Tafeln, die das normale Leben einfacher oder auch bessergestellter Menschen zeigen. Die Geister und Teufel treiben ihr Unwesen stets auf den rechten Tafeln. Alltagsszenen, satirisch überhöht, gibt es in großer Zahl in den Niederlanden des 16. Jahrhunderts. Mit Motiven von Bosch wurden zum Beispiel niederländische Sprichwörter illustriert, manchmal sogar ausgesprochen heftig und deftig. So blieb Boschs Bildwelt noch fast ein Jahrhundert lang populär in seiner Heimat – aber das änderte sich mit dem neuen Jahrhundert.

 Immer mehr niederländische Maler waren in Italien gewesen und hatten dort den Geist der Renaissance und die neue Kunst eines Leonardo und eines Michelangelo gesehen. Hieronymus Boschs Monster und Geister galten plötzlich als altmodisch, niemand wollte sich mehr mit den Höllenfantasien des Brabanters befassen – geschweige denn sie in seinem Haus hängen haben. Erst im 20. Jahrhundert wurde Hieronymus Bosch wiederentdeckt, die Tragweite und Durchschlagskraft seiner Bildsprache als unvergleichlich zu ihrer Zeit dargestellt. Später Ruhm.

Bucerius Kunstforum Hamburg, bis 11. September täglich von 11 - 19 Uhr. www.buceriuskunstforum.de

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