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Begeisterte Sieger: Benjamin und Anna

„Jugend musiziert“ Begeisterte Sieger: Benjamin und Anna

Im Kieler Ernst-Barlach-Gymnasium mit seinem Musikzweig gibt es berechtigten Anlass zu ausgeprägtem Stolz. Fünf Schüler haben beim wahrlich konkurrenzstarken Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Hamburg einen Ersten Preis ergattert – und das sogar mit maximal erreichbaren 25 Punkten.

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Anna Stellmacher (Klavier) und Benjamin Günst (Violine) konnten beim Wettbewerb "Jugend musiziert" überzeugen.

Quelle: Axel Nickolaus

Kiel. Neben den Pianisten Elias Kollath und Linnéa Benson sowie dem Flötisten Theodore Squire war das mit dem Geiger Benjamin Günst und seiner Klavierpartnerin Anna Stellmacher auch ein besonders junges Kammermusik-Duo.

„Nach dem Wertungsspiel hatte ich selber eher ein schlechtes Gefühl“, erinnert sich die 14-jährige Anna lachend an die Herausforderung, „aber als wir dann herauskamen, waren alle – und eben auch die Jury im Nachgespräch – sehr begeistert. So schlecht kann es also nicht gewesen sein ...“ Vor drei Jahren haben die beiden aufstrebenden Musiker erstmals gemeinsam musiziert. Jetzt hatten sie den langsamen Satz aus Edvard Griegs F-Dur-Sonate op.8 und Duo-Bearbeitungen der spannungsvollen Präludien zu bieten, die Dmitri Schostakowitsch in der Mitte des 20. Jahrhunderts nach dem Vorbild Bachs komponiert hat.

Die Mischung hat offenbar genauso gut gepasst wie die intensivierte Vorbereitung in den beiden Wochen vor dem Wettbewerb durch die Lehrer der beiden. Der zwölfjährige Benjamin hat Geigenunterricht bei der Hamburger Philharmonikerin Anne Schnyder, die man hier als Konzertmeisterin der Camerata Kiel kennt. Über sie gerät er sofort ins Schwärmen: „Sie ist eine unglaublich gute Lehrerin. Weil ich weiß, dass ich noch unheimlich viel von ihr lernen kann, musikalisch und technisch, macht mir das so großen Spaß.“ Anna wird seit zehn Jahren von ihrer Mutter, der an der Lübecker Musikhochschule lehrenden Pianistin Vera-Carina Stellmacher geformt. Das sei enorm praktisch, weil man jedes technische Problem beim Üben schnell klären könne, aber naturgemäß auch mit den üblichen Mutter-Tochter-Spannungen belastet, gibt Anna verschmitzt zu bedenken: „Man hat nicht immer so viel Respekt wie bei fremden Lehrern.“

Benjamin, Sohn des Kieler Philharmonischen Kontrabassisten Markus und der Cellistin Bettina Günst, sei von Anfang an begeistert von der Violine gewesen. Auch für Anna gehören Klänge und Profimusiker seit jeher zum Umfeld. Ihr Großvater ist der in Kiel lebende und viel in Fernost unterrichtende Klavierprofessor Manfred Fock; ihr Vater der Kieler Schlagzeuger und Humboldt-Musiklehrer Christoph Stellmacher.

Benjamin und Anna schätzen ihren Riesenerfolg eindeutig „cool“ ein. Benjamin: „Das war ja jetzt nicht die Solowertung. Da ist die Konkurrenz nochmal größer. Aber zu den besten deutschen Duos in unserer Altersklasse zu zählen, ist schon toll.“ Von Auftritt zu Auftritt nehme seine Aufregung ab und der Spaß am Konzertieren zu. „Und gegen die Aufregung hilft, sich ganz auf sein Spiel mit dem Partner zu konzentrieren – denn es ist ja ohnehin schon so, dass man sich beim Üben mehr traut als beim Vorspiel.“ Anna ergänzt: „Man muss Dinge, die einem wichtig sind, besonders deutlich machen. Genau das fällt dann auch den Zuhörern positiv auf. Und man muss in den Proben definitiv die Sicherheit entwickeln: Wenn der eine irgendwo rausfliegt, muss der andere unbeirrt weiterspielen ...“

Weiter gehts für beide beim diesjährigen Bechstein-Wettbewerb. Doch hat Benjamin vorab noch einen ganz besonders spektakulären Auftritt: Beim Klassik-Open-Air mit den Kieler Philharmonikern zur Kieler Woche. Unter der Leitung von Leo Siberski spielt er dann auf dem garantiert prallvollen Rathausplatz zwei Schaustücke: „Das kürzere ist nicht sooo schwer, aber das zweite, die Polonaise brillante in D-Dur von Henri Wieniawski hat es ganz schön in sich und ist mit vielen Sprüngen zwischen den Saiten richtig anstrengend zu üben.“

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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