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Rauschen im Kopf

Bunker-D Rauschen im Kopf

Der geschichtsträchtige Bunker-D der Fachhochschule ist als Ausstellungsort wie geschaffen für die Arbeiten von Andreas Trabitzsch. Mit zwei fotografischen Serien und Zeichnungen präsentiert der Kieler Künstler, der nach Ausbildung und Arbeit als Krankenpfleger Malerei und Fotografie an der HfBK Hamburg studiert hat, eine sehr nachdenkliche Schau.

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Andreas Trabitzsch zeigt auch ältere Arbeiten zu heute hochaktuellen Themen.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Ein Teil ist experimentellen Zeichnungen gewidmet. Blindzeichnungen sind darunter sowie grafische Spielereien in Mischtechnik, die er in eine Reihe mit abstrakt reduzierten Schwarz-weiß-Fotos gehängt hat. Durch Berührungspunkte im Hell-Dunkel-Bereich entsteht eine verblüffende ästhetische Annäherung beider Medien. Im zweiten Ausstellungsteil greift Andreas Trabitzsch auf ältere Arbeiten zurück, die thematisch hochaktuell sind. Anfang der 90er Jahre hatte er über Jahre engen Kontakt zu den Bewohnern einer Asylbewerberunterkunft in Dietrichsdorf. Schwarz-Weiß-Fotos fangen Eindrücke ihrer Lebenssituation ein – fragmentarische, bisweilen verschwommene Aufnahmen von Händen, die in resignierter Untätigkeit im Schoß ruhen, oder Gesichtern, die sich scheu von der Kamera abwenden. Damals habe er auf seine Frage, wie es sich anfühlt, wenn man alles zurücklässt, die Antwort bekommen: „Wie das weiße Rauschen im Kopf.“ So nennt er auch die Fotoserie, deren Präsentation an diesem Ort ihm sinnfällig erscheint. „Der Bunker ist ein Mahnmal gegen den Krieg und war Zufluchtsort für die Bevölkerung. Man stelle sich einmal vor, man hätte die Schutzsuchenden abgewiesen, während draußen die Bomben fielen“, so der gebürtige Nortorfer, den dieser Gedanke derzeit nicht loslässt.

Negativkopien, die in ihrer geheimnisvollen Zeichenhaftigkeit für die Orientierungslosigkeit der Asylsuchenden stehen, runden die empathische Dokumentation ab, die gar nicht den Versuch macht, sachlich zu sein. Negativkopien bilden auch den Kern einer weiteren Arbeit, die als Diashow in einem abgedunkelten Raum abläuft. Verbrannter Raum nennt Trabitzsch die Folge von 33 Aufnahmen, entstanden ebenfalls in den 90er Jahren nach einem Brandanschlag auf eine Lübecker Kirchengemeinde. Bilder von verkohlten Gegenständen, mal mehr mal weniger klar erkennbar, werden hier direkt auf die Bunkerwand projiziert.

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