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Raus aus der Komfortzone

C.A.R. Raus aus der Komfortzone

Jazz spielen heißt Grenzen sprengen. Oder so zu tun, als gäbe es keine. Das machen C.A.R. auf ihrem Debütalbum Beyond The Zero. Das Kölner Quartett, dem mit Pianist Christian Lorenzen ein gebürtiger Kieler und mit Kontrabassist Kenn Hartwig ein früherer Flensburger angehören, kommt mit seinem modernen, packenden Jazz-Ansatz für vier Konzerte in den Norden.

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Coole Typen, heiße Bikes: Christian Lorenzen, Leonhard Huhn, Johannes Klingebiel und Kenn Hartwig (v.r.).

Quelle: C.A.R.

Kiel. Audio Spiritual Seekers heißt ein zunächst fließendes, dann spannungsgeladen pulsierendes, gegen Ende klanglich aufblühendes Trip-Hop-Stück voller elektronischer Effekte vom ersten C.A.R.-Album. Der Titel passt gut auf die Musiker mit ihrer Experimentierlust. „Ja, das stimmt“, sagt Christian Lorenzen, der es mit der Band Inchworm in den Nuller-Jahren zu einiger Bekanntheit brachte und heute neben C.A.R. in weiteren Projekten wie Zooom Trio, Makkro und dem am klassischen Jazz orientierten Christian Lorenzen Trio aktiv ist. „Wir sind schon immer auf der Suche nach neuen Sounds, arbeiten viel mit Klangforschung, auch sphärisch und manchmal kontemplativ.“ Relativ oft sogar.

 Er habe nur grobe Klangvorstellungen gehabt, erzählt Kenn Hartwig, der das gut sieben Minuten lange Audio Spiritual Seekers geschrieben hat. Es sei in dieser Länge nicht leicht, eine Spannung aufzubauen. Meist komme einer aus der Band mit sehr konkreten Ideen, an denen die anderen nur noch ein bisschen herumfeilen; aber auch durch die Konzerte entwickelten sich die Stücke immer noch in neue Richtungen und klärten sich.

 Ist also das improvisatorische Element extrem wichtig bei C.A.R.? „Ja, tatsächlich, wobei aber nicht die Rhythmusgruppe die Form hält und einer soliert“, erläutert Hartwig. „Eher eine Kollektivimprovisation, wo es um Energien geht und um Räume.“ Dafür ist das stellenweise dick wie ein Lavastrom rockende Oh No! ein gutes Beispiel. Und die Gefahr, es beim Improvisieren zu verkacken? „Mut zum Fehler und zum Verlassen einer gewissen Komfortzone“, sagt Lorenzen. „Der Begriff Verkacken impliziert ja, dass es etwas Richtiges gibt, aber das ist eine sehr akademische Herangehensweise.“

Name kam später

 Lorenzen und Hartwig hatten schon zusammen im schleswig-holsteinischen Landesjugendjazzorchester musiziert, 2002 trennten sich ihre Wege. Lorenzen ging 2003 zum Studium nach Köln, Hartwig entschied sich 2006 dann zufällig auch für die Domstadt als Studienort. Geburtsstunde der Band war 2011 das Diplomkonzert von Lorenzen und Hartwig, bei dem Leonhard Huhn (Saxofon, Effekte) und Johannes Klingebiel (Schlagzeug) assistierten. Der Name C.A.R. kam dann erst später.

 Oft fällt der Begriff Krautrock, wenn die Musik von C.A.R. beschrieben wird. Sehen sie sich in der Tradition von Bands wie Can, Neu! oder Amon Düül? „Das ist jetzt nicht so meine Kindheitsmusik, das war eher Hip-Hop“, sagt Hartwig, aber die Band habe den Begriff Kraut selbst ins Spiel gebracht, um sich stilistisch einzuordnen. Wenn sie sich alte Videos von Kraut-Bands anschauten, sei es schon erstaunlich, wie ähnlich die Konzepte von C.A.R. seien, ohne sie bewusst übernommen zu haben. Ende des Jahres wollen C.A.R. übrigens eine EP mit Coverversionen aufnehmen, auf dem sie dann Stücke von elektronischen Produzenten wie Squarepusher, aber auch von Led Zeppelin, Pavement oder Tame Impala in den C.A.R.-Sound übersetzen, verrät Drummer Johannes Klingebiel.

 Und die 70er-Jahre-Trash-Promofotos mit Mut zur Hässlichkeit? „Das soll ein Gegenentwurf sein zu den etablierten Standards im Jazz, wo man sich gerne mit Photoshop-Filter durch Glas porträtieren lässt“, erklärt Kenn Hartwig. „Und auch ein bisschen auffallen. Das hat ganz gut funktioniert.“

 Auftritte im Norden: Mittwoch, 20 Uhr, Birdland, Hamburg; Donnerstag, 20.30 Uhr, Orpheus Theater, Flensburg; Freitag,2. Oktober, 20 Uhr, Kulturforum (A.-Gayk-Str. 31), Kiel; Sonnabend, 21 Uhr, CVJM, Lübeck

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