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Tannenbaum und Hallelujah

Cæcilie Norby und Lars Danielsson im Kulturforum Tannenbaum und Hallelujah

„Die Idee ist uns gestern gekommen“, sagt Cæcilie Norby, „ich hoffe, Ihr vergebt uns.“ Erst ist es gar nicht eindeutig zu erkennen, aber als sie „O Tannenbaum“ singt, hüpft Gelächter durch die vollbesetzten Stuhlreihen im Kulturforum.

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Stimme und Bass, eine ungewöhnliche Duo-Konstellation: Cæcilie Norby und Lars Danielsson.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Doch das schöne Lied ist offenbar gar nicht als Gag gemeint und lässt sich durchaus für Jazz-Zwecke nutzen. Vor allem dann, wenn es in so versierten, verantwortungsbewussten Händen wie denen der dänischen Sängerin und des schwedischen Bassisten Lars Danielsson. liegt. Als Norby ins Englische switcht, beide das Tempo steigern und den Tannenbaum zum Schwingen bringen, erstirbt das Gekicher sogleich. Die Deutschen und ihr Liederschatz, eine komplizierte Geschichte.

 Versionen bekannter Stücke finden sich reichlich im Programm. Allerdings nicht alle gleich gut gelungen. Joni Mitchells Both Sides Now, mit dem das ungewöhnlich besetzte Duo in sein Set startet, bekommt das reduzierte Arrangement ganz ausgezeichnet. Norby interpretiert den anmutigen Popsong unprätentiös und einfühlsam, umtanzt von Danielssons gezupften Basstupfern. Im Gegensatz zur Album-Version legen sie hier und später noch des Öfteren dezent flirrende Synthesizer-Sounds aus der Konserve drunter, als würden sie der Tragfähigkeit der Kombination von Stimme und Bass nicht ganz trauen. Nicht unpassend, aber unnötig.

 Sternstunden sind die exquisiten Adaptionen von David Bowies Life On Mars und Bob Dylans Like A Rolling Stone (mit einem erstaunlich bekömmlichen Calypso-Ausflug gewürzt!), auch Leonard Cohens Hallelujah, das sich allgemein mehr und mehr zu einem Cover-Favoriten zu entwickeln scheint, gelingt dem Duo in der Zugabe tadellos und kitschfrei, obwohl Norby sich an einer Stelle sogar sehr gekonnt in Operngesang versucht. Gewagt, aber wenig delikat ist allerdings das, was sie mit Papa Was A Rolling Stone (The Temptations) anstellen. Der im Original markant groovende Soul-Klassiker schmeckt schon mal als Ballade nur sehr bedingt, verdirbt aber spätestens in Verbindung mit Danielssons flamencoartigen Saitentänzen auf dem Cello den Appetit.

 Eigenkompositionen der Beiden fügen sich harmonisch ein in den minimalistischen Ansatz. Der charmante, mit Barock flirtende Jazz-Pop von Toccata etwa, das in einem schnelleren Walzer-Rhythmus tanzende, melancholische Liberetto Cantabile (auch hier ein Synthie-Teppich) oder das sanft fließende Cherry Tree. Hin und wieder greifen sie in die Trickkiste, aber nie um des reinen Effekts willen. Bei Maurice Ravels getragener, zeitlos schöner Pavane For A Dead Princess, zu der Cæcilie Norby einen Text verfasst hat, singt sie gleichzeitig in zwei Mikrofone und erzeugt so parallel eine höhere, fremdartige Zweitstimme. Danielsson zupft oder streicht dazu sein Cello so, dass es ähnlich klingt wie Walgesänge.

 Der Ursprung ihrer Duo-Aktivitäten waren gemeinsame Jams während des Jazz-Baltica-Festivals. Auch im Kulturforum wollen sie improvisieren. Die Sängerin, die zuvor hin und wieder eine Kalimba, ein Daumenklavier gespielt hatte, greift sich ein anderes afrikanisches Instrument, eine Trommel aus Ton namens Udu. Danielsson wählt das Cello. Er zupft gelenkige Figuren, sie trommelt und singt orientalische Lautmalereien. Blindes Verständnis.

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