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Reife Leistung

Camerata Kiel in der Martinskirche Reife Leistung

Zu sagen, dass das hiesige Konzertleben ohne die Camerata Kiel nicht vorstellbar wäre, hieße mit Understatement formulieren. Denn das 1993 von Rüdiger Debus gegründete Kammerorchester stützt durch seine Präsenz nicht nur ambitionierte Projekte zahlloser Musikschaffender, sondern präsentiert in seinen eigenen Konzerten verlässlich reizvolle Programme auf überdurchschnittlichem Niveau.

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Die Camerata Kiel hat 100 Konzerte absolviert.

Quelle: Gutekunst

Kiel. Zum 100. Konzert der heute von Anne Schnyder geleiteten Camerata demonstrierte der Klangkörper am Sonntag in der sehr gut besuchten Projensdorfer Martinskirche seine charakteristische Vielseitigkeit. In dem kompakten Auftritt spannte er den Bogen von der Barockmusik über die Zweite Wiener Schule bis hin zur Gegenwart. Unmittelbar ansteckend tönt zur Eröffnung Johann Sebastian Bachs Drittes Brandenburgisches Konzert, BWV 1048 durch den Kirchenraum. Mit einer Kompaktbesetzung von elf Musikern orientiert sich die Camerata dabei am aktuellen Stand der historischen Aufführungspraxis und schafft zugleich die Basis für ein angenehm transparentes Hörerlebnis. Die ausgesprochen dialogische Musizierhaltung der Ausführenden sorgt dafür, dass sich dieses oft gehörte Werk hier in großer Frische zeigt.

 Mit Wilhelm Kaiser-Lindemanns Flügelhorn-Phantasien Love Song in Autumn und Tears on the Snow erweist das Orchester dann dem 2010 verstorbenen Ex-Mitglied der Kieler Philharmoniker seine Ehre, das als Komponist wie auch als Arrangeur etwa für die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker weit über die Stadtgrenzen hinaus Anerkennung gewinnen konnte. Die beiden filmmusikalisch anmutenden Stücke sind hier in schwelgerischer Opulenz zu hören und bieten dem Solisten Ralf Lentschat viel Raum, sich auf seinem Instrument als seelenruhiger Lyriker zu präsentieren. Lentschats eigenes Stück Tabán aus seiner Komposition Duna Impressions knüpft an die in Kaiser-Lindemanns Stücken bereits entfaltete süßlich-melancholische Grundstimmung harmonisch an, wirkt schlicht, ohne simpel zu sein, und geht auf ungekünstelte Weise zu Herzen.

 Mit der Streicherfassung von Arnold Schönbergs Verklärter Nacht d-Moll op. 4 mündet das Konzert in ein spannungsgeladenes Finale, in dem nicht nur die Konzentration der Exegese an sich, sondern insbesondere auch die dichte Zwiesprache zwischen Geigerin Anne Schnyder und Bratschistin Atsuko Matsuzaki faszinieren. So wird man dieses 100. Konzert der Camerata Kiel als ein durch und durch gelungenes musikalisches Ehrenfest in Erinnerung behalten, das mit entsprechendem Applaus ausklingt. Großes Kompliment für eine reife Leistung – und alles, was in den Jahren davor bereits geleistet wurde.

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