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Faschingsschwank und böser Mozart

Caspar Frantz und Hans-Christian Hoth Faschingsschwank und böser Mozart

Wir haben es, wie bei einem guten Käse, lange reifen lassen“, fasst der Pianist Caspar Frantz verschmitzt einen künstlerischen Annäherungsprozess zusammen, der schon im Jahr 1990 seinen Ausgang nahm. Auf Gut Emkendorf war der Neunjährige fasziniert vom Solo-Auftritt des Kieler Kabarettisten Hans-Christian Hoth gewesen.

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Gipfeltreffen auf höherer Ebene: Pianist Caspar Frantz und Kabarettist Hans-Christian Hoth.

Quelle: Friedrun Reinhold

Kiel. „Ich habe das bis heute sehr gut in Erinnerung“, sagt der in Kiel geborene und inzwischen in Berlin lebende Pianist. Beim Stichwort Liebestraum von Franz Liszt war so bereits die Idee geboren, die am Sonntagabend unter dem Motto Endlich Musik! als Gastspiel im Schauspielhaus Wirklichkeit wird: Kabarett mit Flügel.

 Man habe sich über viele Jahre gegenseitig beäugt und bewundert, das Projekt aber immer wieder geschoben. „Nun ist der Spaßaufhänger mein 30-jähriges Bühnenjubiläum“, so Hoth, „die Zeit war reif.“ Der aus Rendsburg stammende Sprach- und Verwandlungskünstler hat dafür zunächst jene Partien aus seinen acht Solo-Programmen extrahiert, die mit Musik zu tun haben. Dann kamen in den intensiven Proben seit Frühsommer weitere Texte hinzu, manchmal geradezu heraufbeschworen durch musikalische Beiträge. Frantz: „Wir haben das dann zusammenfließen lassen. Man kommt ins Fabulieren, entdeckt die vielschichtige Verbindung zwischen Ton und Text – ein Wahnsinnsspaß!“

 Hoth nennt das Beispiel der „scharfen, zynischen Nummer“ mit einer seiner unangenehmeren Bühnenfiguren, der als bewusst gesetzter Bruch Musik von Mozart vorwegklingt: „Danach folgt Schumanns Faschingsschwank. Und man erkennt plötzlich, was in der klassischen Musik drinsteckt, was Komponisten selber erlebt haben und in ihren Werken spiegeln. Das sind oft Dinge, die man im ersten Wohlfühlmoment leicht überhört.“ Und Caspar Frantz ergänzt: „Da stecken Dinge drin, die vor fünfzig und vor hundert Jahren relevant waren und auch noch in zehn Jahren gültig sein werden.“

 Einig war man sich darin, sich nicht gegenseitig anzubiedern. „Ich habe meine Interpretationshaltung gegenüber den Werken von Bach, Chopin oder Brahms nicht verändert, aber alles was drumherum passiert, hat natürlich letztlich doch einen Einfluss“, so der Pianist, „ich werde aber auf keinen Fall wegen eines Textbezugs irgendetwas eindeutig langsamer spielen.“ Hoth ist das wichtig: „Dafür finde ich Caspar auch viel zu gut, das darf nicht passieren. Man höre sich mal seine neue Schumann-CD an ... Das ist eine Herangehensweise, die mir wahnsinnig liegt.“

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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