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Fotografien mit schwarzhumorigem Tenor

Charlie Fjätström im Kunstraum B Fotografien mit schwarzhumorigem Tenor

Eine winterlich verschneite Baumlandschaft, zwei verlassene Autos irgendwo in der Wildnis, ein Mensch im putzigen Elchkostüm mitten im Wald: Die Fotografien, die Charlie Fjätström unter dem Titel How far may I go? im Rahmen der Reihe „B-fragt“ im Kunstraum B zeigt, wirken nur auf den ersten Blick malerisch, manchmal sogar märchenhaft verträumt.

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Ziemlich schnell vorbei mit der Romantik: Charlie Fjätström gibt augenzwinkernde Tipps, wie man sich aus der Welt verabschieden kann.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Schaut man genauer hin ist es jedoch ganz schnell vorbei mit der Romantik. „Geh zu der nächsten Tankstelle und zünde ein Streichholz an“, steht in englischer Sprache unter einer kühl ausgeleuchteten Szene, in der eine Frau zwischen zwei Tanksäulen posiert.

 Die sorgfältig inszenierte Aufnahme, die an ein Gemälde von Edward Hopper denken lässt, ist Teil der Serie Ten ways to kill yourself. Darin gibt der Norweger augenzwinkernd durchaus praktische Tipps, wie man sich aus der Welt verabschieden kann. Die 2013 in Buchform erschienene Fotoserie, auf die er vielfältige Reaktionen bekam, ist zum einen eine Antwort auf die freimütigen Anleitungen, die im Internet zum Thema Selbsttötung kursieren. Zum anderen sind die Aufnahmen eine bewusste Provokation: „Über Selbstmord zu reden ist beinahe in jeder Gesellschaft ein Tabu“, sagt Fjätström, der durch Selbstmorde im Freundes- und Familienkreis für das Thema sensibilisiert wurde. „In den Sozialen Medien wird das glückliche, perfekte Leben gepostet. Wer Depressionen hat, gilt als Loser. Viele wissen nicht, dass es sich dabei um eine ernst zu nehmende Krankheit handelt.“ Den schwarzhumorigen Tenor hat er gewählt, um die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. „Was zu düster ist, will niemand sehen.“ In Leuchtkästen präsentiert, die eine optische Brücke zur Werbung schlagen, sind seine kunstvoll inszenierten Fotografien echte Hingucker – und in Kombination mit den Texten wirklich ausgesprochen komisch.

Wilhelminenstraße 35. 4. bis 28. Mai. Eröffnung Donnerstag, 18 Uhr. Do-Sa 15-18 Uhr

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