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Das Summen der Differenz

chiffren Ensemble Das Summen der Differenz

Worin besteht die Differenz des neumusikalischen Klangs? Vielleicht nicht nur in den Werken von Valerio Sannicandro, Pelle Gudmundsen-Holmgreen, Claude Vivier und Matthias Ronnefeld, sondern auch in den zwei „Zugaben“, die das chiffren Ensemble in sein Herbst-Programm in der Fachhochschule Kiel einbaut.

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Schafften in der Fachhochschule Kiel die gekonnte Verbindung aus alter und neuer Musik: Dirigent Johannes Harneit und Pianistin Maria Katharina Christiansen vom chiffren Ensemble.

Quelle: Björn Schaller (Archivbild)

Kiel. Neue Musik, das ist, zumal dargeboten von Jugendlichen zwei Generationen nach Adornos Diktum, dass nach Auschwitz keine Musik mehr sein dürfe wie davor, ein Zauber, eine Verrückung, ein sich Anverwandeln, das moderner als die Moderne ist. Mit Sannicandros „Odi di Levante“ riecht die Neue Musik nach verspätet herbstlicher Romantik à la Mahler, ist das schroffe Neue nochmal wie früher, als wir in schon kühlen italienischen Nächten das Sternbild des Orion über dem Horizont aufsteigen sahen.
 
Gudmundsen-Holmgreens „OG“, das soviel wie „sowohl als auch“ heißt, verdünnt und verdichtet sich in Søren Kierkegaards „Entweder Oder“. Der erste Existenzialist hatte die Entelechie dialektisch gedeutet, „OG“ bezirzt sie mit dem chiffren Ensemble in ein leicht schwingendes „Dazwischen“. Mit Viviers sinnlichem „Paramirabo“ wird nachgelegt, und Ronnefelds Neukomposition des Chorals „Christ ist erstanden“, von der Orgel aufs große Kammerorchester übersetzt von Dirigent Johannes Harneit, schafft die klangverdichtende Version der Lieder aus dem Buch aller Bücher.


 
So könnte man davon ausgehen, das sich nicht Fürchten angesichts der Kraft des Klangs (statt oder mit Gott) zu lernen, aber das chiffren Ensemble legt nach und vor: Mit der performativen Vertonung der Wortpartituren von Cornelius Cardews „The Great Learning“ (nach Versen von Konfuze) und Stockhausens „Setz die Segel zur Sonne“ aus den „Sieben Tagen“ gelingt dem jugendlichen Ensemble, indem es den Klang der Differenz einfach nur summt, die Summe von ganz Neuem und gar nicht so Altem. Das überzeugt in der Aula der Fachhochschule Kiel und lässt uns erinnern, dass wir noch rechnen dürfen mit der Verbindung der allzu alten mit der gar nicht so neuen Musik.
 
Das chiffren Ensemble spielt das Programm auch am 21.11.2015 in Hamburg, Kampnagel, beim Fetival „Greatest Hits“. Infos: www.chiffren.de

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