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Der Duft der Klänge

Chiffren Ensemble Der Duft der Klänge

„Ihr habt schon einen sehr schön duftenden Klang“, freut sich Dirigent Johannes Harneit bei der Probe von Valerio Sannicandros „Odi di Levante“ („Die Düfte der Levante“). Nach gefeierten Auftritten beim Festival-Kongress „Upgrade“ in Donaueschingen und beim „Klang!–Copenhagen Avantgarde Music Festival“ probte das Chiffren Ensemble letzte Woche im Rendsburger Nordkolleg für sein Herbst-Programm.

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Das Ensemble besteht aus Dirigent Johannes Harneit, (v. li.) Flötistin Svenja Rechter, Geigerin Katharina Reisser, Pianistin Maria Katharina Christiansen, Cellist Alexander Leuschner, Bratsche Katharina Rußland, Klarinettistin Jade Catalena Lehmann.

Quelle: Björn Schaller

Rendsburg. Es ist bereits die siebte Saison des 2009 als Landes Jugendensemble für Neue Musik im Rahmen von „chiffren“ gegründeten Orchesters. Unter den 15 jungen Musikern im Alter von 11 bis 26 Jahren sind acht erstmals dabei, rekrutiert aus dem Landesjugendorchester, beim „Jugend musiziert“-Wettbewerb und „durch Mundpropaganda“, so der künstlerische Leiter Friedrich Wedell, der zusammen mit den Dozenten Johannes Harneit, Burkhard Friedrich (Bläser) und Barbara Lüneburg (Streicher) das Herbstprogramm mit Werken von Claude Vivier, Pelle Gudmundsen-Holmgreen, Valerio Sannicandro und Matthias Ronnefeld zusammenstellte.
 
An den Atmosphären oder auch Klangdüften, die Sannicandro (geb. 1971) seiner apulischen Heimat ablauscht, wird im Sextett jetzt konzentriert gearbeitet. Besonders an den Details der Klanggestaltung, etwa der gedämpften Streicher, die eingangs eine drückend schwüle Abendstimmung heraufbeschwören, die nachfolgenden Gewitter schon erahnend. „Noch ein bisschen romantischer“ wünscht sich das Harneit, während Friedrich es sich „eher keusch – und mit etwas mehr Drama, das ich jetzt noch nicht gehört habe“, vorstellt. Gegensätzliche Pole, zwischen denen es zu vermitteln gilt.

Herbst und Aufführung stehen an

Feinste Klangdetails machen hier den entscheidenden Unterschied, etwa wie die Saiten der Geige „stumpf“ gegriffen werden, was Lüneburg empfiehlt. Dass manche schwer spielbare rhythmische Preziosen, etwa die Schweller auf temporeichen Quintolen, da noch nicht ganz im Takt sind, mache gar nichts. Harneit will vor allem den richtig „duftenden“, kammermusikalischen Klang aus dem Sextett kitzeln, die Kontraste zwischen stehender Hitze und eiligem Aufgrollen. Dabei unterschätze man „die Fähigkeit des guten Musikers, auf der nächsten Eins wieder hineinzukommen“, wenn er sich kurzzeitig mal verfranzt habe. Denn was gehört wird, sind weniger rhythmische Korrektheit als die Atmosphären des Klangs, die der Komponist mit poetischen Vortragsbezeichnungen wie „sinuoso“ oder „intimo“ vorschreibt und die vor allem es zu interpretieren gelte.


 
Darüber haben die Dozenten durchaus unterschiedliche Vorstellungen, die sich jedoch gegenseitig befruchten und mit den Spielangeboten der jungen Musiker zu einer einverstandenen Interpretation verschmelzen. Gerade die „Fermaten-Orgie“ zu Beginn ist Burkhard Friedrich „noch etwa zu esoterisch“. Darum wird das „pulsando“ „wie ein kleiner Walzer“ (Harneit) gestaltet, mit mehr riechbarem Duft als Entrückung – wie der Herbst, in dem das Chiffren Ensemble auch dieses Werk in Kiel und Hamburg aufführen wird.
 
Herbstkonzerte des Chiffren Ensembles: 24.10., Kiel, Aula der Fachhochschule; 21.11., Hamburg, Kampnagel (im Rahmen des Festivals „Greatest Hits“). Infos: www.chiffren.de

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