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Licht im Kampf ums Leben

Chiharu Shiota ist Bühnengestalterin im Kieler „Siegfried“ Licht im Kampf ums Leben

Wenn sie ihre vielbeachteten Ausstellungen konzipiert, demnächst in Savannah an der US-amerikanischen Ostküste, in Paris und Tel Aviv, dann sei das etwas völlig anderes als die Arbeit an einem Musikdrama-Bühnenbild. „In einer Ausstellung entscheide ich alles selbst ...“, so Chiharu Shiota.

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Arbeit im Faden-Netzwerk: Chiharu Shiota ist bei Wagners „Siegfried“ für das Bühnenbild verantwortlich.

Quelle: Shiota

Kiel. Im Anschluss an das Pressegespräch wird sie zum ersten Mal Gelegenheit haben, die Kieler Produktion von Richard Wagners Siegfried als Ganzes zu sehen. Monatelang war das eher eine Art Puzzle in Abstimmung mit dem Regisseur Daniel Karasek, der Kostümbildnerin Claudia Spielmann, den Technikern, den Sängern gewesen – „ich bin gespannt!“

 Zum zweiten Mal nach dem zugleich bildmächtigen und zartgefassten Tristan im Jahr 2014 spinnt die in Berlin lebende Performance- und Installationskünstlerin ihre Fäden am Theater – nun im Kieler Ring. Die 1972 in der Nähe von Osaka geborene Japanerin hat ihr Konzept ganz nah am ständig präsenten Handeln der Titelfigur entlang entwickelt. „Ich konnte das nicht in reiner Abstraktion fassen. Das hätte nicht funktioniert.“

 Wagners Musik ist Shiota erst in voller Tiefe nahe gekommen, als sie selber Schicksalsschläge in der Familie zu verkraften hatte, beispielsweise den Tod ihres Vaters. Im Siegfried beschäftigt sie deshalb auch nicht so sehr das apollinische Thema Natur, was man aus japanischer Tradition heraus hätte vermuten können, sondern Siegfrieds Kampf ums Leben – sei es konkret mit dem Drachen oder im übertragenen Sinne. „Das kommt meinen eigenen Arbeiten nahe“, so Shiota und bestätigt die Erinnerung an ihre beeindruckende Installation im Aros-Museum von Aarhus, wo sich Fensterrahmen bedrohlich türmten: „Brünhilde wird in so einem Kontext aufwachen, wo Fenster sie in die Vergangenheit blicken lassen.“

 Ihre berühmten Faden-Netzwerke, die bereits im Jahr 2012 als raumfüllende Installation Stairway in der Kieler Kunsthalle, 2015 auf der Biennale in Venedig und nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit Sasha Waltz für Toshio Hosokawas Oper Matsukaze in Brüssel und Berlin faszinierten, werden im Wald und beim feurig umbrandeten Walkürenfelsen wieder eine Rolle spielen. „Das Licht ist dabei aber besonders wichtig. Licht und Musik beeinflussen beide das Gefühl“, sagt Chiharu Shiota.

 Richard Wagners „Siegfried“. Oper Kiel. Premiere am 11. März, 17 Uhr. Restkarten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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