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Christian Strehk zum SHMF-Programm

Kommentar Christian Strehk zum SHMF-Programm

Joseph Haydn? „Wie miserabel sind wir gegen sowas!“, titelt das Programmbuch des SHMF mit den imposanten Worten „unserer“ norddeutschen Komponistengröße Johannes Brahms. Haydn, der erfindungsreiche Wiener Klassiker, Ende des 18. Jahrhunderts herausfordernder Lehrmeister für Mozart und Beethoven, bietet ein enorm weites Spektrum, reizt Genießer und Anspruchshörer gleichermaßen.

Vorausgesetzt allerdings, seine intelligent gestrickte Musik wird pfiffig gespielt. In der Lübecker Intendanz wurden dafür in der Auswahl der Künstler tatsächlich geradezu optimale Voraussetzungen geschaffen. Und der Schwerpunktkünstler, der Starpianist András Schiff, passt hervorragend dazu.

Ob es mit dem scheuen Klavierdenker in ähnlicher Weise – wie bei der maximal charmanten Cellistin Sol Gabetta oder dem Schlagzeugathleten Martin Grubinger – funktioniert, die Massen zu elektrisieren, mag man bezweifeln. Man merkt auch das Bemühen der Verantwortlichen, mit zugkräftigen Alternativen wie der wunderbar zwischen Edith Piaf und Ella Fitzgerald vermittelnden Französin Zaz (“Je veux“) in der kapazitätsstarken Kieler Sparkassen-Arena charttauglich gegenzusteuern. Doch das Vertrauen in die Qualität des SHMF ist im ganzen Land, in der Regierung, bei Sponsoren wie Besuchern mit einigem Recht bereits unerschütterlich. Das zeigen auch die beachtlich angestiegenen Mitgliederzahlen des Festivalvereins. Viel spricht dafür, dass 2016 vielleicht kein Rekord-, aber allemal ein künstlerisch gewichtiger Jahrgang wird.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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