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Tanz mit Hand und Kopf

Christian Zacharias beim SHMF 2015 Tanz mit Hand und Kopf

Tchaikowskys Hommage an Mozart erklingt gekonnt durch Christian Zacharias und das Festivalorchester im Kuhstall Pronstorf.

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Viel Witz und wenig Ironie

Filigrane Handarbeit: Christian Zacharias bei der Probe.

Quelle: Axel Nickolaus

Pronstorf. Zuvor standen sie noch mit Freunden zusammen und kickten einen Fußball über den grünen Rasen vor dem Kuhstall in Pronstorf, doch als Christian Zacharias zum ersten Schlag von Prokofieffs Sinfonie D-Dur ausholt, sind die jungen Musiker des Schleswig-Holstein Festival Orchesters hochkonzentriert. Feinfühlig und bis ins Detail präzise sowie mit sichtbarer Spielfreude tänzeln sie durch die klassizistische Symphonie des russischen Komponisten. Dabei hat der renommierte Dirigent Christian Zacharias seine Finger gekonnt mit im Spiel. Ohne Taktstock, sondern mit der filigranen Gestik seiner Hände gibt er seine Ideen eindringlich weiter. Als er für Mozarts Klavierkonzert A-Dur am Flügel gleichzeitig in die Rolle des Pianisten schlüpft, wird seine ununterbrochene Präsenz als Dirigent besonders deutlich. Sobald seine Hände über die Tasten perlen, dirigiert er mit dem Kopf – nicht immer, ohne dass es auf Kosten des solistischen Ausdrucks geht.

 Als „kleine Meisterwerke“ bezeichnete Tschaikowsky vier kleine, unbekanntere Stücke seines großen Vorbilds Mozart, die er in der Mozartiana für Orchester arrangierte und zusammenfasste – als „neuen Anstoß zur Aufführung“. Von Zacharias gefühlvoll geleitet, fängt das Orchester deren unterschiedliche Stimmungen sensibel ein und lebt besonders im vierten Satz auf. Ein Höhepunkt ist hier das Solo der Konzertmeisterin Jacqueline Kitzmiller (USA), die die oft virtuosen Melodien mit viel Gefühl ausspielt.

 Mit der Semiramide-Ouvertüre von Rossini trumpfen die hochtalentierten Nachwuchsmusiker dann noch einmal auf. Mal bedrohlich brodelnd, mal fröhlich, mal lieblich leicht setzen sie zusammen mit ihrem aktiven, beinahe tanzenden Dirigenten einen fulminanten Schlusspunkt unter ein begeisterndes Konzert und ernten dafür Bravo-Rufe und Fußgetrommel. Nachdem das Publikum lautstark klatschend eine Zugabe gefordert hat, entlässt das Orchester seine Zuhörer mit dem wunderschön musizierten Tanz der Rohrflöten aus der Nussknacker-Suite des „Festivalkomponisten“ in den Sommerabend.

Von Lea Marxen

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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