20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
"Ick kann ooch anders"

Cindy aus Marzahn "Ick kann ooch anders"

„Hatten wir was miteinander? Ich kann mich erinnern, ick hab`n Handstand jemacht und du hast ihn reinhängen lassen.“ So geht Interaktion mit dem Publikum bei Cindy aus Marzahn. Wer hier nicht schon die weiße Fahne schwenkt, sondern im besten Fall zum Lachen animiert wird, war oder wäre bestens aufgehoben beim Auftritt der Berliner Komikerin in der Sparkassen Arena.

Voriger Artikel
Umgestaltung des Gutenberg-Museums - Hamburger Architekten im Rennen
Nächster Artikel
Böhmermann landet unter den Top 10

 Die pinke Comedy-Queen Cindy aus Marzahn in der Sparkassen-Arena in Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Die runde Dame im pinken Jogginganzug improvisiert und kalauert sich auch in ihrem vierten Programm „Ick kann ooch anders“ gewohnt kompromisslos durch Körperöffnungen und –ausscheidungen, trampelt konsequent ihren Fettnäpfchenpfad entlang – und lächelt doch alles wieder weg. Man kann ihr halt nicht böse sein. Wenn es „eklig“ oder „peinlich“ wird, fängt bei Ilka Bessin alias Cindy aus Marzahn die Geschichte erst an, und die meisten der anderthalbtausend Zuschauer sind gekommen, um sie genau davon berichten zu hören. Ob Schwitzen, Verdauungsprobleme, beim Bücken mit Fußnägeln verwechselte und somit lackierte Brustwarzen, die Arena ist höchst amüsiert. Dazu pflegt sie den kalkuliert erniedrigenden Umgang mit dem polnischen Lichttechniker und ihrem Bühnenassistenten namens „Hinterm Vorhang“.

Wo ist die Dame aus der ersten Reihe?

Als Running Gag entpuppt sich der vermeintliche Toilettengang einer Dame aus der ersten Reihe, die schlichtweg nicht mehr zurückkommt, was immer wieder Anlass zu Spekulationen um ihren Verbleib ist. Klischee umrankt sind ihre Geschichten, da steht die „deutsche Dörte“ hinterm Tresen der Ambulanz, da geht`s mit „Wiebke“ ins vegane Restaurant, dort werden nur Sanddornsaft und Fleischersatz („Für Fleisch jibbt it keen Ersatz“) gereicht und das Ganze eskaliert in der Quasi-Steinigung der „Matcha-Muschis“ mit Burgern aus dem gegenüberliegenden Fast-Food-Restaurant. Cindy solidarisiert sich mit der Fleischmasse, hat auf der anderen Seite aber ein Herz für die knuddeligen Tiere wie ihren Hund „Karlsson vom Dach“. Darüber hinaus lernen wir, dass Ärzte scherzresistent sind und dass es mutig ist, „wenn man Durchfall hat und trotzdem furzt.“

"Mehr Gäld Führ Bildung"

Das Bühnenbild zieren Wahlkampfparolen wie „Wehlt Pink“, „Mehr Gäld Führ Billdung“ oder „Mindestlohn nach Körpergewicht“. Der Programmtitel „Ick kann ooch anders“ soll andeuten, dass Cindy sich einmischt und auch sozialkritisch äußert. Die Arbeitslosigkeit der Bühnenfigur Cindy führt diese ins Arbeitsamt und zum Bewerbungsgespräch als Paketzustellerin. Da gibt`s nur den Mindestlohn, aber „Mindestlohn is für`n Arsch, den kannste behalten“, erteilt Cindy dem eine Absage und prangert gleich mit an, dass auch Pflegeberufe chronisch unterbezahlt seien und viele Rentner von ihrem kargen Einkommen kaum existieren könnten. Volkes Stimme ist pink in Cindys Fall, und laut, dafür aber herzenswarm. Die leisen Töne spart sie sich für den Schluss auf: „Danke für den wunderschönen Abend, und wenn ihr für irgendwas marschieren geht, dann guckt, dass ihr in die richtige Richtung marschiert, denn rechts ist definitiv scheiße.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3