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Wandlungsfähig und ausgewogen

Collegium Vocale Dänischer Wohld Wandlungsfähig und ausgewogen

Die Verlockung, vom Collegium Vocale Dänischer Wohld Ohren verwöhnende A-cappella-Musik mit Feinschliff zu hören, füllte am Sonntag die Dankeskirche in Holtenau bis in die Empore mit Zuhörern. Unter Michael Pezenburgs Leitung zeigte sich das mit kräftigem Applaus bedachte Ensemble vital und wandlungsfähig.

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Das Collegium Vocale Dänischer Wohld vewöhnte das Publikum in der Dankeskirche mit feingeschliffenen A-cappella-Klängen.

Quelle: Beate König

Kiel. Mit einer Akuratesse, die auch durch das über große Strecken gepflegte auswendige Singen möglich wird, präsentierte der Chor den als Dialog komponierten Liedsatz Echo von Hans Leo Haßler als akustischen Gimmick zu Beginn. Im Wechsel von Empore und Altarvorraum erklang der Vorzeigesatz für Sopran und Alt: Makellos, sicher und textklar glänzten die Stimmen edel klassisch.

Markige Volkslied-Kehligkeit mischte der Chor dagegen in das hymnische Sanctus (Püha) aus Estland. Schulter an Schulter im Halbkreis um die Kirchenbänke stehend, vermittelte der Chor überzeugend, wie Gesang nach dem Ende der Diktatur im Baltikum half, in der Unabhängigkeit eine neue gemeinsame Identität zu stiften und zu festigen.

Delikat geriet die Waldesnacht von Johannes Brahms. Zu einem großen Erzähler, einem Klangorganismus vereint, strömten wie aus einem Mund homogen die langen Melodie-Linien des romantischen Kunstlieds. Subtile Einigkeit herrschte bei der Gestaltung der an- und abschwellenden Lautstärken, beim Verzögern und Beschleunigen im Tempo-Nanobereich. Genauso feinverwoben: Der Ohrenschmeichler Ave verum von Wolfgang Amadeus Mozart.

In all dieser exorbitant ausgefeilten Ausgewogenheit fiel das undeutliche Textrascheln in Autumn Leaves auf. Der sauber präsentierte Legato- und Marcato-Kontrast machte You are a new day zum kunstvoll interpretierten Satz. Wer jedoch angesichts des Arrangements der King Singers Swing-, Jazz- oder Pop-Rhythmen erwartet hatte, wurde enttäuscht.

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