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Mit Frankie Boy auf Augenhöhe

Tom Gaebel im Kieler Schloss Mit Frankie Boy auf Augenhöhe

Äußerlich haben Frank Sinatra und Tom Gaebel nicht sehr viel gemeinsam. Gaebel, der sich beim 1. Con Spirito Extrakonzert am Sonntag im ausverkauften Kieler Schloss anschickte, dem großen „Ol’ Blue Eyes“ dem ewigen Frank-Frankie Boy- Sinatra mit einem Tribute zu huldigen, ist blond, hat keine blauen Augen und trägt auch keinen Hut.

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Er bringt ihn mit, den typischen Swing von „The Voice“ Sinatra: Tom Gaebel mit Georg Fritzsch am Pult.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Doch da ist noch etwas anderes, das den großen Entertainer auszeichnete. Wie viele seiner amerikanischen Kollegen verfügte Sinatra über einen ganz besonderen Habitus. Eine elegante Lässigkeit, die auf fast magische Weise Männlichkeit, Musikalität, Selbstsicherheit und eine gehöriges Prise Ironie vereint. Tom Gaebel besitzt diese Lässigkeit. Der Mann versteht es, einen Smoking zu tragen und schon von daher ist er ein adäquater Sinatra-Interpret.

 Als die Kieler Philharmoniker unter der Leitung von GMD Georg Fritzsch – zusätzlich unterstützt von einer Rhythmusgruppe aus Blues-Musikern – das Konzert mit den ersten Takten von Fly Me To The Moon eröffneten, mischte sich aber zunächst echte Verblüffung in die Begeisterung. Denn Tom Gaebels Stimme, so auch schon im Juli beim SHMF in Eutin zu hören, kommt dem Original wirklich sehr nahe. Und das ist bei Sinatras eigentlich einzigartigem Organ tatsächlich ein kleines Wunder. Timbre, Intensität, Phrasierung, Prägnanz und den ganz typischen Swing von „The Voice“ Sinatra, alles bringt der studierte Instrumentalist (Schlagzeug und Posaune) und fünffache Jazz-Award-Gewinner Gaebel auf die Bühne.

 Nur zu Beginn des Konzerts hatte man den Eindruck, als würde der so wirkmächtig strahlende Bigband-Glanz des Orchesters dem Sänger zu viel Raum streitig machen. Schon beim luftigen The Girl From Ipanema war das Gleichgewicht dann aber gefunden. I Get A Kick Out Of You, Something Stupid (im Duett mit der Violinistin Katharina Hoffmann) Love and Marriage, Strangers in The Night (mit dubidubidu-Publikumschor), natürlich New York, New York: Ein Welthit jagte den nächsten. Weil sich auch die groß besetzten Orchesterarrangements dem Original verpflichtet fühlten und Gaebel sämtlichen imitatorischen Spielereien entsagte, stattdessen höchsten Wert auf die musikalische Authentizität seines Vortrags legte, durfte jeder im Saal uneingeschränkt in Erinnerungen an den wohl größten Entertainer seines Fachs und seiner Zeit schwelgen.

 Und wie Tom Gaebel das Finale von Ol’ Man River sang, war schlicht grandios. Das dramatische Crescendo am Ende des Musical-Liedes war schon für Sinatra keine Kleinigkeit, obwohl es später eine seiner meist gespielten Nummern werden sollte. Ein Paradestück, dem Gaebel mit viel Talent die gebührende Ehre erwies.

 Dafür und für eine wunderbare Reise in die goldene Ära der „Crooner“, der großen Orchester und Bandleader, bedankten sich die Zuhörer nach der letzten Zugabe Moon River mit stehenden Ovationen.

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