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Kunst zwischen Text und Textur

Kieler Anscharpark Kunst zwischen Text und Textur

Weiße Papierbahnen in gewaltigen Formaten hängen luftig im Atelierhaus im Anscharpark Kiel. Sie weisen linear ausgestanzte Lochmuster auf, wölben sich in zerklüfteten Strukturen oder sind bedruckt mit Formen, die sich zu abstrakten Zeichen fügen. Die papiernen Objekte von Constanze Vogt sind poetische Metaphern.

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Gekonnt: Papier wird bei Constanze Vogt zur Skulptur.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Und die wollen gar nicht unbedingt entschlüsselt werden. Anderes-gleiches_ungleiches nennt sie die Schau, die den Abschluss ihres Masterstudiums an der Muthesius Kunsthochschule markiert.

Die Materialität von Papier fasziniert die 31-Jährige, die 2012 mit einem Arbeitsstipendium des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet wurde. Reinweißen Bögen aus Zeichenpapier rückt sie mit handelsüblichen Lochern zu Leibe, mit denen sie Zeile für Zeile kreisrunde Löcher ausstanzt. „Die Linearität ist mir wichtig“ , so die Künstlerin, „die Verbindung zum geschriebenen Text bleibt dadurch gewahrt.“ Glatt von der Decke gehängt, werden die gestanzten Bahnen zu bildartigen Objekten, von denen je nach Standort des Betrachters ein seltsames Flirren auszugehen scheint. Als Bodenobjekt spiralförmig gerollt wird die Papierbahn zum Lichtfänger, in dessen vielfältigem Schattenwurf unterschiedliche Abstufungen von Grau zu entdecken sind.

Auf ganz andere Weise „skulptural“ muten Arbeiten aus glänzendem Fotopapier an. In unzähligen Bahnen mit weißem Garn übernäht, mutiert das glatte Papier zur glitzernden Landschaft mit reliefartiger Struktur. „Diese Arbeiten sind wie ein Experiment. Man weiß nie, was am Ende dabei herauskommt“, sagt Constanze Vogt.

Die Tendenz zum Bildhauerischen mit poetischen Versatzstücken ist auch in der dritten Werkreihe zu erkennen. Die Einzelteile eines Schnittmusters sind hier wie ein Anagramm in unterschiedlichen Kombinationen auf großformatiges Zeichenpapier gedruckt. Nur oben an der Wand befestigt, stehen die Bahnen im unteren Teil leicht von der Wand ab, so dass die Prägung des Linoldruckes und damit die Materialität des Papiers deutlich sichtbar hervortritt.

Atelierhaus im Anscharpark. Heiligendammer Str. 15. Eröffnung am Mittwoch, 19 Uhr. Bis 18. April. Di-So 14-18 Uhr. Künstlergespräch Sonntag, 12. April, um 16 Uhr.

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