16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Ich habe nie die erste Geige gespielt“

DJ Felix Jaehn im Interview „Ich habe nie die erste Geige gespielt“

Man muss schon etwas Außergewöhnliches auf die Reihe bekommen haben, wenn Außenminister Frank-Walther Steinmeier auf Facebook persönlich gratuliert. Wir haben den erst 21 Jahre alten DJ und Musik-Produzenten Felix Jaehn zum Interview getroffen und ihn nach seinem Erfolgsrezept gefragt.

Voriger Artikel
Gags und schnelle Schläge
Nächster Artikel
Eröffnung mit Kunst als Widerspiel

Wir trafen den angenehm geerdeten Überflieger Felix Jaehn im Funkhaus Wittland zu einem Gespräch.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Man muss schon etwas außergewöhnliches auf die Reihe bekommen haben, wenn  Außenminister Frank-Walther Steinmeier auf Facebook persönlich gratuliert. Und wenn man eingeladen wird, bei den Feierlichkeiten zum 25 Jubiläum der Deutsche Einheit am Brandenburger Tor vor 750 000 Menschen zu spielen. Der so Geehrte ist Felix Jaehn, 21 Jahre alter DJ und Musik-Produzent, geboren in Hamburg, aufgewachsen in einem kleinen Dorf an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern  und seit einiger Zeit in den angesagtesten Clubs auf der ganzen Welt zuhause. Sein Beitrag fürs Vaterland: Der gelungene Remix des Songs Cheerleader vom jamaikanischen Sänger Omi. Jaehns entspannt groovende Elektro-Pop Version des kaum beachtetet Reggae-Originals von 2012 wurde dieses Jahr Platz eins in den Charts in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und – sensationell -  auch in den Vereinigten Staaten. Wir trafen den angenehm geerdeten Überflieger im Funkhaus Wittland zu einem Gespräch.

Dass sich höchste politische Stellen über die sozialen Medien an einen jungen Künstler wenden, erzählt bereits viel. Nicht nur über unsere Zeit und unseren Umgang miteinander, sondern auch über Karrieren, die ohne Facebook und Co wohl nie stattgefunden hätten. Dem stimmt Jaehn sofort zu. „Ich kenne kein Leben ohne Soziale Medien. Wenn man mit Sechszehn beginnt, eigene Tracks zu schreiben, hat man normalerweise weder das Geld noch die Kontakte, seine Musik zu verbreiten. Da sind die sozialen Netzwerke von unschätzbarem Wert. Man haut seine Sachen einfach raus und die Community entscheidet, ob's gefällt oder nicht.“  Bei ihm hat's offenbar schon sehr früh sehr vielen gefallen. Er wurde für private Feiern und schnell auch für Club-Auftritte gebucht. Mit 17 zog es ihn für ein Jahr nach England, wo er in London die renommierte Point Blank Music School besuchte und nicht nur die zumeist autodidaktisch erworbenen DJ-Fähigkeiten professionell vertiefte, sondern sich auch im Bereich der Musik-Produktion weiter bildete.

Während dieser Zeit legt er bereits bei Londons bekanntestem Dance & House Club „Ministry Of Sound“ auf. Eine Visitenkarte, die ihm später noch so manch andere Tür öffnen sollte. Überraschend genug begann Jaehn nach seiner Rückkehr aber erst mal ein BWL-Studium, welches er nach wenigen Semestern jedoch abbrach.  Das passierte, als der Newcomer sein am heimischen Laptob produzierten und gemischten Track  Cheerleader einfach mal an die Plattenfirmen schickte, und es funktionierte. Auch dass er als Kind Geige gelernt, und somit eine „klassische Musikausbildung“ genossen habe, kommt ihm bei seiner jetzigen Arbeit zugute. „Ich habe zwar nie die erste Geige aber immerhin eine ganze Zeit in einem Jugendorchester gespielt. Die Kenntnis der musikalischen Grundlagen hilft mir vor allem beim Komponieren eigener Titel“, erzählt Jaehn. Denn das sei die neue Marschrichtung. „Ich möchte mehr eigene Songs schreiben, weg vom Remixer-Stempel, den ich jetzt offenbar trage.  Eigentlich habe ich mit Songwriting angefangen, das Remixen war eher Zufall.“  Deswegen reiste der Mann, der nach eigenen Worten „auf der Straße noch nicht so oft erkannt wird“, in diesem Sommer durch ganz Europa, um nach Mitstreitern für sein erstes Studio-Album zu suchen, während der Remix Ain't Nobody (Loves Me Better), der Nachfolger von Cheerleader, im Radio rauf- und runter gespielt wurde. Zufall in oder her, warum ist er DJ und nicht Sänger geworden?  „Ich kann leider nicht singen“, antwortet Jaehn schnell, clever und ehrlich.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3