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Schellenkranz und Schlagbaum

Landestheater SH Schellenkranz und Schlagbaum

Das Thema Orchesterfusion kocht schon deshalb immer wieder hoch, weil die Flensburger Musiker des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters und ihre dänischen Nachbarn vom Sønderjyllands Symfoniorkester aus Sønderborg einmal im Jahr mehr oder weniger einträchtig den Schulterschluss üben.

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Flensburgs GMD Peter Sommerer, Chefdirigent des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters, wollte sich zu den Ideen des dänischen Ministers nicht äußern. Mit den Verantwortlichen des Landestheaters sei vorab nicht gesprochen worden.

Quelle: Henrik Matzen

Flensburg. Da werden dann mal großformatige Werke von Bruckner, Mahler oder Schostakowitsch gewuppt, die sonst mit jeweils nur 65 Instrumentalisten doch zu sehr nach Kurkapelle klingen würden. Also: Warum nicht gleich ganz fusionieren? Als europäisches Vorzeigemodell musikalischen Grenzverkehrs ...

 Politiker blubbern diese Idee, die verführerisch nach Schengen riecht und nach Einsparpotenzial klingt, in schöner Regelmäßigkeit hervor. Diesmal hat das Ansinnen aber amtliches Gewicht bekommen: Der Vorschlag, zuletzt vor fünf Jahren offiziell verschrottet, stammt vom dänischen Minister für Kultur und Kirchen, Bertel Haarder. Auf dem „sehr guten Modell“ liege Segen. Es soll seiner Meinung nach mit Sitz in Sønderborg (na klar ...) dafür sorgen, dass Geld gespart und die Qualität erhöht wird. Entsprechend enthusiastisch ist der liberal-konservative Venstre-Politiker aus dem königlichen Kopenhagen nun bei unserer Kulturministerin Anke Spoorendonk vorstellig geworden.

 Deren weniger königliches Ministerium reagiert spürbar gebremst begeistert, obwohl doch deutsch-dänische Kulturkooperationen sein Steckenpferd ist. Ja, Herr Haarder habe das Thema bei einem kürzlich stattgefundenen Treffen mit Ministerin Spoorendonk angesprochen – „ohne allerdings konkrete Planungen zu nennen“. Ganz generell lehne Frau Spoorendonk die Überlegungen nicht ab, entscheidend sei für sie jedoch das Votum der Orchester selbst. Diese müssten erklären, ob und wie weitgehend sie sich eine Kooperation vorstellen können. „Eine Fusion nur aus Einsparerwägungen heraus darf es nicht geben.“

 Während sich das Landestheater vornehm bedeckt hält und darauf verweist, dass mit seinen Verantwortlichen gar nicht gesprochen worden sei, hat der in Lübeck geborene, in Eutin aufgewachsene und in Kiel studierte Jurist und Kirchenmusiker Gerald Mertens als kundiger Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung im etwas königlichen Berlin sofort das Problem beim Schopf: Fusioniert würde ja ein deutsches Opernorchester mit einem dänischen Konzertorchester; Musiker mit ganz unterschiedlichen Gehaltsstrukturen und Tarifverträgen, die einerseits von Sønderborg aus auch Kolding oder Ribe bespielen und andererseits von Flensburg aus bis Itzehoe und Rendsburg reisen. Wenn man da anfängt, im fusionierten Klangkörper Stellen einzusparen, reichen die Dienste sofort weder hin noch her.

 Mertens sieht aber durchaus Sinn in einer „engeren Kooperation“. Über die gemeinsame Plattform einer grenzüberschreitenden GmbH könne man womöglich flexibler moderne Kulturangebote wie Open-Air-Events oder Projektkonzerte anbieten. Das könnte gut sein. Spart nix, bringt aber was. Herrlich, diese Harmonie! Allerdings, Herr Minister Haarder, müsste Dänemark dann seine Grenze wieder öffnen, sonst kommen die Besucher gnadenlos zu spät ins Konzert.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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