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Kunterbunter Kinderfasching

"Wintermärchen" am Schauspielhaus Kunterbunter Kinderfasching

Ein König, der im Eifersuchtswahn erst den Sandkastenkumpel meucheln, dann die Gattin zum Tode verurteilen will und nebenbei auch den Verlust seiner Kinder in Kauf nimmt - so geht es los, das "Wintermärchen" von William Shakespeare, das in der Inszenierung von Daniel Karasek die Spielzeit am Schauspielhaus Kiel eröffnete.

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Arbeit an einem „erwachsenen Märchen“: Regisseur Daniel Karasek, Kostümbildnerin Claudia Spielmann und Dramaturg Jens Paulsen (von rechts).

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Eine wilde, schlimme Geschichte voller Schein, Sein und emotionaler Wendungen, die der Generalintendant zunächst als gediegenes Gesellschaftsstück auf die Bühne bringt, dann als kunterbunten Kinderfasching mit falschen Bärten, Perücken, Travestie und Kleidertausch. Und das Ensemble pendelt spiellustig durch die Rollen.

Im ersten Teil wallen weiße Stoffbahnen von Hemd-Oberteilen vom Bühnenhimmel auf den Boden wie überdimensionierte Tauf- oder Totenkleider (Bühne: Chiharu Shiota). Und das ist ja auch die Spanne, in der sich das Drama abspielt. Eben ist alles noch Sonnenschein im Hause König, wo Vater, Sohn und Kumpel Polixenes unter den wohlwollenden Augen der hochschwangeren Hermione herumtoben. Dann wird im Geplänkel um Polixenes‘ Gehen oder Bleiben der Blick des Hausherrn düster, splittert die Stimmung, rauscht das Leben aus der Spur.

Wie Shakespeare das Trauerspiel 16 Jahre später in einem Fantasie-Böhmen auflöst, das ist das heilige Chaos und gleichzeitig geschickte Spiegelung. Bei Karasek verwirbelt beides im schrillen Partymodus zur launigen Gag-Parade. Da hängt der Himmel über Böhmen voller Möbel, läuft der Prinz im Sterntalerhemdchen herum, und die unglückliche Hermione wird in einer pompösen Zaubernummer ins Spiel zurück gebeamt.
Daniel Karasek ist versiert darin, solche puppenlustigen Theater-Spielplätze anzurichten. Aber immerhin lässt sein Schluss leise Zweifel am Happy End. Langer Premierenbeifall.

Schauspielhaus Kiel. 14., 15., 26., 28. Oktober; 3., 4., 9. November. Kartentel. 0431 / 901901, www.theater-kiel.de

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